name: zerlegen-risikoampel-und-gegenargumente description: "Zerlegen: Risikoampel, Gegenargumente und Verteidigungslinien im Subsumtions Prüfer."
Zerlegen: Risikoampel, Gegenargumente und Verteidigungslinien
Arbeitsweg
- Rolle, Ziel und gewünschtes Arbeitsprodukt klären: Wer handelt, welche Entscheidung steht an, welche Frist läuft und welcher Output wird gebraucht?
- Fristen und Eilrisiken zuerst markieren: nur die Fristen des konkreten Rechtsgebiets und der Akte verwenden; Widerspruch, Klage, Einspruch, Rechtsmittel, Verjährung, Verwirkung, Rüge-, Anzeige-, Anmelde- und Ausschlussfristen strikt trennen und nie aus einem anderen Fachgebiet übernehmen.
- Tragende Normen verifizieren: die im Plugin-Kontext einschlägigen Normen über gesetze-im-internet.de, dejure.org, eur-lex.europa.eu und die amtlichen Bundes-/Landesportale live prüfen — Fundstellen über gesetze-im-internet.de, dejure.org, openJur, BVerfG-/BGH-/EuGH-Datenbank live prüfen; keine Modellwissen-Zitate.
- Zuständige Stelle bestimmen und Adressaten richtig wählen: Mandant, Gegner, zuständige Behörde oder Gericht, Sachverständige, ggf. EU-/internationale Stelle (siehe Skill-Detail).
- Dokumente und Beweismittel sammeln und auf Lücken prüfen: Verwaltungsakte, Vertragsurkunden, Schriftsätze, Bescheide, Protokolle, Sachverständigengutachten und externe Beweismittel des Fachgebiets — fehlende Belege durch Akteneinsicht oder Rückfrage beim Mandanten beschaffen, Live-Check für tagesaktuelle Normänderungen und Verwaltungspraxis.
Risikoampel-Schema
Rot — Kritisches Risiko
Definition: Kein Beleg vorhanden; Beweislast beim Nutzer; Norm eindeutig gegen Nutzer; Verjährung oder Ausschlussfrist droht oder abgelaufen.
Typische Auslöser:
- Wesentliches Tatbestandsmerkmal nicht belegt (Sprung-Subsumtion)
- Beweislastumkehr wirkt gegen Nutzer (§ 630h BGB, § 22 AGG, Art. 82 Abs. 3 DSGVO)
- Frist bereits abgelaufen oder noch innerhalb 30 Tage (Verjährung, Anfechtungsfrist, Klagefrist)
- Norm eindeutig nicht einschlägig (falsche Anspruchsgrundlage)
Sofortmaßnahmen:
- Frist sichern (Klageerhebung, Verjährungsunterbrechung § 204 BGB)
- Beweismittel sichern (Zeugenvernehmung vor Klage, Urkundenvorlage)
- Mandant auf Risiko hinweisen; Mandate-Akte dokumentieren
Gelb — Mittleres Risiko
Definition: Beleg vorhanden, aber schwach oder streitig; Norm einschlägig, aber Streitstand ungeklärt; Frist noch offen (mehr als 30 Tage).
Typische Auslöser:
- Streitstand bei zentralem TBM; BGH-Linie unklar oder divergent
- Beweismittel vorhanden, aber Beweisstärke zweifelhaft (Zeuge befangen; Urkunde echt streitig)
- Einrede der Gegenseite möglich aber noch nicht erhoben
- Verfahrenskosten übersteigen möglichen Gewinn
Maßnahmen:
- Zusätzliche Belege beschaffen
- Rechtsprechungsrecherche für streitigen Punkt (→ rechtsprechung-recherche-strategie)
- Vergleichs-/Mediationsoption prüfen
Grün — Geringes Risiko
Definition: Alle TBM belegt; Norm eindeutig einschlägig; keine erheblichen Einreden der Gegenseite erkennbar; Frist gesichert.
Maßnahme: Schriftsatz finalisieren; Fristenkontrolle.
Gegenargumente strukturieren
Antizipatorische Verteidigungsanalyse
Für jedes vom Nutzer beanspruchte TBM: Was wird die Gegenseite einwenden?
| TBM | Nutzer-Argument | Gegenargument Gegenseite | Entgegnung | Risiko |
|---|---|---|---|---|
| Pflichtverletzung | Lieferung 14 Tage verspätet | Höhere Gewalt (§ 275 Abs. 1 BGB) | Höhere Gewalt nicht belegt; Risiko beim Lieferanten | Gelb |
| Kausalität | Schaden durch Verspätung | Kläger hätte anderweitig beschafft | Beschaffungsalternative nicht zumutbar | Grün |
Vier Klassen von Gegenargumenten
- Tatbestandliche Gegenargumente: TBM nicht erfüllt (z. B. kein Vertrag; kein Schaden)
- Rechtliche Einreden: Verjährung, § 320 BGB (Zug-um-Zug), Aufrechnung (§ 387 BGB)
- Beweisrechtliche Gegenargumente: Beweismittel unzulässig; Beweislast falsch verteilt
- Sachverhaltliche Gegenargumente: Andere Deutung der Tatsachen; Alternativursache
Verteidigungslinien
Primäre Verteidigungslinie: Tatbestand nicht erfüllt (TBM fehlt). Sekundäre Verteidigungslinie: TBM erfüllt, aber Einrede erhoben (Verjährung, § 320, Aufrechnung). Tertiäre Verteidigungslinie: TBM und Einreden überwunden, aber Schaden / Kausalität bestritten.
Einstieg
Wenn Unterlagen vorhanden sind, arbeite zuerst aus den Unterlagen. Stelle nur Rückfragen, die die nächste Weiche verändern:
- Welche Rolle hat die fragende Person und wer ist Gegenüber?
- Welche Anspruchsgrundlage wird geprüft und welche TBM sind strittig?
- Welche Frist, Zustellung, Schwelle, Zahlung, Sanktion oder Verfahrensstufe ist kritisch?
- Welche Dokumente, Registerauszüge, Bescheide, Verträge, Tabellen belegen die Punkte?
- Welcher Output wird gebraucht: Risikoampel, Memo, Gegenargumentation, Verteidigungsstrategie?
Arbeitsworkflow
- Fallbild bilden: Sachverhalt, Rollen, Zeitachse und Dokumente in eine kurze Matrix bringen.
- Risikoampel erstellen: Pro TBM: Rot/Gelb/Grün mit Begründung.
- Gegenargument-Matrix: Pro TBM: Gegenargument der Gegenseite, Entgegnung, Risikobewertung.
- Verteidigungslinien skizzieren: Primär, sekundär, tertiär.
- Anschluss bauen: Passende weitere Skills vorschlagen.
Quellenregel
- Normen live prüfen: gesetze-im-internet.de (BGB §§ 204, 275, 320, 387 ff.; ZPO §§ 286, 294; AGG § 22).
- Rechtsprechung nur mit Gericht, Datum, Aktenzeichen und frei prüfbarer Quelle.
- Keine Blindzitate. Paywall-Literatur nur mit Nutzerquelle.