name: susa-formfehler-pruefen description: "SuSa-Prüfung auf Formfehler Plausibilitaet und Differenzen. Anwendungsfall Qualitaetsprüfung der SuSa vor Versand oder Prüfung Buchungsdifferenzen typische Anomalien. Methodik Checkliste Plausibilitaet Differenz-Analyse. Output Fehlerprotokoll Korrekturmassnahmen."
SuSa-Prüfung — Formfehler, Plausibilitaet, Differenzen
Fachlicher Anker
- Normen: § 6a, § 239 HGB, § 146 AO.
- Entscheidungs-/Quellenanker: Tragende Rechtsprechung nur mit Gericht, Datum, Aktenzeichen und frei prüfbarer Quelle einsetzen; keine Entscheidung aus Modellwissen erzwingen.
- Quellenhygiene:
references/quellenhygiene.mdundreferences/zitierweise.mdbeachten.
Kernsachverhalt
Eine fehlerhafte SuSa ist Risiko für alle Folgeauswertungen — BWA, USt-VA, Jahresabschluss. Der Steuerberater muss die SuSa systematisch auf Plausibilitaet prüfen, bevor er sie verwendet. Typische Fehler: Prüfsumme-Differenz, ungewoehnliche Salden, USt-Inkonsistenz, offene Verrechnungskonten. Dieser Skill ist Pflicht-Checkliste für Sachbearbeiter und Berufstraeger.
Kaltstart-Rueckfragen
- Welche Periode wird geprueft — Monat, Quartal, kumuliert?
- Welche Prüf-Tiefe — Standard-Checkliste oder vertieft?
- Wurde die laufende Buchfuehrung bereits einmal geprueft?
- Welche systembedingten Auffaelligkeiten (DATEV-Prüfliste)?
- Welche Sondereffekte sind erwartet (Anlagenkauf, Sondertilgung)?
- Welche Konsistenz-Quellen liegen vor (Bankauszug, USt-VA, Lohnauswertung)?
- Welche Vorperioden-Korrektur ist zu bearbeiten?
- Welche Eskalation bei wesentlichen Fehlern?
Rechtlicher Rahmen
Primaernormen
§ 239 HGB — ordnungsgemaesse Buchfuehrung.
§ 146 AO — Zeitgerechtigkeit, Vollstaendigkeit, Richtigkeit.
§ 33 StBerG — StB-Aufgabenkreis (Sorgfalt).
§ 57 StBerG — Gewissenhaftigkeit.
§ 153 AO — Berichtigungspflicht bei erkannten Fehlern.
Standards
- BMF v. 28.11.2019 zu GoBD.
- IDW PS 480.
- DATEV-Prüfliste Monatsabschluss.
Workflow
Phase 1 — Prüfsumme Soll/Haben
- Summe Soll-Buchungen = Summe Haben-Buchungen (doppelte Buchfuehrung).
- Differenz = Systemfehler (selten, aber bei Datenmigrationen möglich).
- Bei Differenz: Konto-Prüfung bis zur Buchung zurueck.
Phase 2 — Konten-Plausibilitaet (Kontennummern beispielhaft im SKR 03; aktuelle DATEV-Kontenrahmenfassung prüfen)
| Konto-Bereich | Erwartung | Auffaelligkeit |
|---|---|---|
| 8000er Erloese (SKR 03) | Habensaldo | Sollsaldo deutet auf nicht erfasste Gutschriften hin |
| 4000er Aufwand (SKR 03) | Sollsaldo | Habensaldo deutet auf nicht erfasste Stornos hin |
| 1200 Bank | Sollsaldo oder Habensaldo (Kontokorrent) | Mit Bankauszug abgleichen |
| 1400er Forderungen (SKR 03 Sammelkonto) | Sollsaldo | Habensaldo deutet auf Kundenvorauszahlungen hin |
| 1700er Verbindlichkeiten LuL (SKR 03 Sammelkonto) | Habensaldo | Sollsaldo deutet auf Vorauszahlungen an Lieferanten hin |
| USt-Konten (z. B. 1576 Vorsteuer 19 Prozent / 1776 USt 19 Prozent im SKR 03) | Plausibel zur USt-Voranmeldung | Differenz weist auf USt-Buchungsfehler hin |
| Geldtransit-/Verrechnungskonten (z. B. SKR 03 1590/1599) | Saldo null | Saldo deutet auf nicht zugeordnete Buchungen hin |
| Eigenkapital-Konto (z. B. SKR 03 2000) | Habensaldo (positives EK) | Sollsaldo bedeutet negatives Eigenkapital — Krisensignal |
Phase 3 — USt-Konsistenz (Kontennummern beispielhaft im SKR 03; mit aktueller DATEV-Kontenrahmenfassung abgleichen)
- USt-Konto 19 Prozent (typisch SKR 03 1776) gegen USt-Voranmeldung prüfen.
- Vorsteuer-Konto 19 Prozent (typisch SKR 03 1576) gegen USt-Voranmeldung prüfen.
- Innergemeinschaftlicher Erwerb (USt-Konten im 1780er-Bereich, z. B. SKR 03 1786): Erfassung prüfen.
- Reverse-Charge nach § 13b UStG: typische Konten SKR 03 1787 (Umsatzsteuer) und 1576/1577 (Vorsteuer-Gegenbuchung); konkrete Kontonummern in DATEV-Kontenrahmen SKR 03 nachschlagen (DATEV-Kontenrahmen-PDF unter datev.de).
Phase 4 — Hauptbuch-Nebenbuch-Konsistenz
- Saldo Forderungssammelkonto (typisch SKR 03 1400) gegen Summe der Debitoren-OPOS prüfen.
- Saldo Verbindlichkeiten-Sammelkonto (typisch SKR 03 1700) gegen Summe der Kreditoren-OPOS prüfen.
- Bei Differenz: Buchungen ohne Personenkonto-Zuordnung suchen (DATEV-Klickpfad: Rechnungswesen → Buchungserfassung → Stapelverarbeitung → Filter "ohne OPOS-Zuordnung").
Phase 5 — Anlagenkonten und AfA
- Anlagenkonten-Saldo (Klasse 0 SKR 03) gegen Buchwert im Anlagenspiegel prüfen.
- AfA-Aufwandskonten (typisch SKR 03 4830 für Sachanlagen) gegen Summe der AfA aus dem Anlagenspiegel abstimmen.
- Bei Zu- oder Abgaengen Anlagenspiegel synchronhalten.
Phase 6 — Fehlerprotokoll und Korrektur
FEHLERPROTOKOLL SUSA-PRUEFUNG
Datum: [Datum] Bearbeiter: [Name]
1. Verrechnungskonto (z. B. SKR 03 1590) Saldo 12.500 EUR — nicht abgebaut.
Ursache: unzugeordnete Bankbuchung 28.04.2026.
Korrektur: Buchungsaufloesung gegen Forderungssammelkonto (SKR 03 1400), GVC-Zuordnung 71.
2. Erloeskonto Habensaldo wider Erwarten gering, Sollsaldo 850 EUR.
Ursache: Gutschrift Kunde 10002 wurde gegen Erloeskonto gebucht statt Erloesschmaelerung.
Korrektur: Umbuchung auf Erloesschmaelerungs-Konto im 8730er-Bereich (SKR 03; typisch Konto 8736 oder 8739 je nach Steuerklasse; konkrete Kontonummer in DATEV-Kontenrahmen-Dokumentation nachschlagen).
3. Differenz USt-Konto (z. B. SKR 03 1776) vs. USt-Voranmeldung 240 EUR.
Ursache: vergessene Buchung am 30.04.2026.
Korrektur: Nachbuchung mit Steuerschluessel 3 (Umsatz 19 Prozent).
Strategie und Praxis-Tipps
- SuSa-Prüfung sollte vor jedem Versand erfolgen — auch bei Routine-Mandanten.
- Bei wiederholten Fehlern (gleiches Konto, gleicher Sachbearbeiter): Schulung.
- Prüfliste standardisieren — Sachbearbeiter haben einheitliches Prüfraster.
- Bei wesentlichen Fehlern in der Vorperiode: § 153 AO Berichtigungspflicht.
- StBVV: Prüfung als Bestandteil der Buchfuehrungspauschale.
- DATEV-Tipp: DATEV-Prüfliste Monatsabschluss systematisch durchgehen; "Konten mit ungewoehnlichem Saldo" als Standardlauf.
Quellen und Updates
Stand: 05/2026.
- HGB §§ 238, 239.
- AO §§ 146, 153.
- StBerG §§ 33, 57.
- BMF v. 28.11.2019 zu GoBD.
- IDW PS 480.