name: online-verfahren-11-buch-zpo-experimentell description: "Experimentelles Online-Verfahren der ZPO seit 2025 ggf 2026. Vollständig digitales Zivilverfahren bestimmte Streitwerte teilnehmende Amtsgerichte. Aktuelle Normen-Verortung prüfen. Vergleich Praesenz-Verfahren Vorteile Risiken Strukturierte Eingabe-Masken. Teilnahme."
Online-Verfahren — das neue digitale Zivilverfahren
Worum geht es?
Seit 2025 gibt es in Deutschland ein experimentelles vollstaendig digitales Zivilverfahren ("Online-Verfahren"). Es ermoeglicht, einen Zivilrechtsstreit von Anfang bis Ende über eine Internet-Plattform zu fuehren — ohne Papier, ohne persönliche Termine vor Ort. Das Verfahren ist in einem neuen Buch der ZPO (vermutlich 11. Buch) verankert und gilt zunaechst nur an teilnehmenden Amtsgerichten und für bestimmte Streit-Typen.
Wichtig: Die genaue Norm-Verortung (Paragraphennummer, Geltungsbereich, Schwellenwerte) ist im laufenden Gesetzgebungs- und Erprobungs-Verfahren. Verifizieren Sie die aktuellen Normen in amtliche/freie Quellen oder lizenzierte Datenbanken und auf der Webseite Ihres oertlich zuständigen Amtsgerichts.
In einfacher Sprache
Es gibt ein neues Online-Gericht. Sie machen alles am Computer. Sie reichen die Klage ein. Sie sehen die Antwort der Gegenseite am Bildschirm. Manchmal gibt es ein Video-Treffen. Das gibt es nur bei einigen Gerichten und nur für bestimmte Streit-Themen.
Wann brauchen Sie diese Skill?
- Sie wollen klagen und Ihr Amtsgericht bietet das Online-Verfahren an.
- Sie wurden in einem Online-Verfahren verklagt.
- Sie wollen wissen, ob das Online-Verfahren für Ihren Fall passt.
Fachbegriffe (kurz erklaert)
- Online-Verfahren: Ein voll-digitales Zivilverfahren auf einer Internet-Plattform.
- Experimentier-Klausel: Eine Gesetzesregelung, die ein neues Verfahren erstmal in einem Test-Modus zulaesst.
- Strukturierte Eingabe-Maske: Ein Formular auf der Plattform, in das Sie Ihren Sachverhalt Schritt für Schritt eintippen.
- Teilnehmende Gerichte: Nicht jedes Amtsgericht bietet das Online-Verfahren an. Eine Liste finden Sie auf der Webseite der Justiz Ihres Bundeslandes.
Rechtsgrundlagen (Stand 2026)
- 11. Buch ZPO (Online-Verfahren) — neues Buch der Zivilprozessordnung, eingefuehrt mit dem Gesetz zur Förderung digitaler Justiz-Verfahren (genaues Inkrafttreten und Paragraphen verifizieren).
- § 128a ZPO — Video-Verhandlung (auch im klassischen Verfahren möglich, vgl.
video-verhandlung-128a-zpo). - § 130a ZPO — elektronische Einreichung (gilt auch im klassischen Verfahren).
Verifizieren Sie die aktuelle Rechtslage in amtliche/freie Quellen oder lizenzierte Datenbanken — die Normen-Nummerierung und der Anwendungsbereich des Online-Verfahrens werden im Erprobungs-Zeitraum noch praezisiert.
Was unterscheidet das Online-Verfahren vom normalen Verfahren?
| Merkmal | Normales Verfahren | Online-Verfahren |
|---|---|---|
| Klage einreichen | Papier oder MJP oder § 130a ZPO | Strukturierte Eingabe-Maske auf der Plattform |
| Klageschrift | Freier Text in Word/PDF | Vorgegebene Felder (Antrag, Sachverhalt, Beweise) |
| Schriftverkehr | E-Mail, Post, MJP | Plattform-internes Postfach |
| Termin | Im Gerichtssaal | Video-Konferenz auf der Plattform |
| Urteil | Schriftlich per Post | Im Plattform-Postfach |
| Akteneinsicht | Geschäftsstelle, Anwalt | Plattform jederzeit |
Vorteile
- Niedrigschwellig: Strukturierte Maske hilft Laien, alles Wichtige anzugeben.
- Kein Papier: Alles digital.
- Termin von zuhause: Per Video, kein Anreise-Stress.
- Schneller: Erprobte Standard-Wege, weniger Wartezeit.
Risiken und Grenzen
- Nicht für komplexe Faelle: Schwierige Sachverhalte (medizinische Gutachten, technische Details) lassen sich in der Eingabe-Maske nur eingeschraenkt darstellen.
- Technik-Voraussetzungen: Sie brauchen Computer, stabile Internet-Verbindung, Webcam, Mikrofon.
- Identifikation: Sie müssen sich elektronisch ausweisen (z.B. Mein Justizpostfach, eID Personalausweis).
- Akten-Backup: Sie sollten regelmaessig Kopien Ihrer Eingaben lokal speichern (z.B. als PDF herunterladen).
- Nicht ueberall verfuegbar: Nur an teilnehmenden Amtsgerichten.
- Nicht für alle Streit-Typen: Bestimmte Sachgebiete können ausgeschlossen sein.
Schritt-für-Schritt-Anleitung
Schritt 1 — Prüfen, ob Ihr Amtsgericht teilnimmt
Schauen Sie auf der Webseite der Justiz Ihres Bundeslandes oder direkt auf der Webseite des oertlich zuständigen Amtsgerichts nach. Beispiele:
- Justizportal Bund-Länder
- "Online-Verfahren" als Stichwort suchen.
- Bei der Geschäftsstelle des Amtsgerichts nachfragen.
Schritt 2 — Prüfen, ob Ihr Streit-Typ zugelassen ist
Das Online-Verfahren ist nicht für alle Streit-Typen offen. Typisch zugelassen sind z.B. Zahlungsklagen unter einem bestimmten Streitwert. Lesen Sie die Bedingungen der Plattform.
Schritt 3 — Auf der Plattform registrieren
Identifikation typisch über:
- Mein Justizpostfach (MJP) — siehe
einreichung-mein-justizpostfach-mjp-2024. - eID mit dem Personalausweis und einem Lesegeraet/Smartphone-NFC.
- Login-Daten über Bund-ID-Verfahren.
Schritt 4 — Klage in der Eingabe-Maske erfassen
Die Plattform fuehrt Sie durch:
- Antrag (was wollen Sie?)
- Beklagter (Name, Adresse)
- Sachverhalt (was ist passiert?)
- Beweise (welche Beweise haben Sie?)
- Anlagen (PDF hochladen)
Speichern Sie regelmaessig (die Plattform speichert meistens automatisch).
Schritt 5 — Einreichen und Vorschuss zahlen
- Eingabe-Maske absenden.
- Plattform berechnet die Gerichtskosten.
- Zahlung per SEPA-Lastschrift, Überweisung oder Karte.
- Sobald gezahlt: Klage wird zugestellt.
Schritt 6 — Reaktion der Gegenseite abwarten
Sie sehen im Plattform-Postfach, wenn die Gegenseite antwortet. Sie reagieren wieder über die Maske.
Schritt 7 — Video-Termin
Wenn ein Termin stattfindet, bekommen Sie einen Link. Loggen Sie sich rechtzeitig ein (z.B. 15 Min. vorher). Achten Sie auf:
- Ruhiger Raum, kein Hintergrund-Laerm.
- Webcam auf Augenhoehe.
- Stabile Internet-Verbindung.
- Personalausweis griffbereit für Identitaets-Prüfung.
Schritt 8 — Urteil im Plattform-Postfach
Das Urteil erscheint im Plattform-Postfach. Laden Sie es als PDF herunter und speichern Sie es lokal.
Worauf Sie besonders achten müssen
- Speichern Sie alles lokal als PDF. Wenn die Plattform mal nicht laeuft, sind Sie nicht hilflos.
- Prüfen Sie die Fristen. Auch im Online-Verfahren gelten die normalen Fristen der ZPO.
- Lassen Sie sich nicht von der Eingabe-Maske eingeengen: Wenn Ihr Sachverhalt komplexer ist, fuegen Sie ein ergaenzendes PDF als Anlage hinzu.
- Bei Zweifel: klassisches Verfahren waehlen. Das Online-Verfahren ist freiwillig.
Typische Fehler
- Fehler: Plattform für hochkomplexe Faelle nutzen — Eingabe-Maske ist zu eng. → So vermeiden: Bei komplexen Faellen klassisches Verfahren waehlen.
- Fehler: Plattform-Postfach nicht regelmaessig prüfen — Fristen verpasst. → So vermeiden: Mehrmals pro Woche einloggen oder Benachrichtigungs-E-Mail aktivieren.
- Fehler: Lokale Sicherungs-Kopien vergessen. → So vermeiden: Nach jeder Eingabe als PDF herunterladen.
- Fehler: Bei Video-Termin technische Probleme — kein Backup-Geraet. → So vermeiden: Vor dem Termin Funktion testen, Smartphone als Backup griffbereit.
Quellen und Aktualitaet
Stand: 05/2026. Das Online-Verfahren wurde 2025 als Experimentier-Verfahren eingefuehrt; die genaue Norm-Verortung im 11. Buch ZPO und der Anwendungsbereich werden im laufenden Erprobungs-Zeitraum praezisiert. Verifizieren Sie die aktuelle Rechtslage in amtliche/freie Quellen oder lizenzierte Datenbanken und auf der Webseite Ihres oertlich zuständigen Amtsgerichts vor Klageeinreichung.