name: 008-notarielle-kostenrechnung-gnotkg-gegenstandswert description: "Notariat im Alltag: Notarielle Kostenrechnung – GNotKG, Gegenstandswert und Kostenschuldner. Strukturierte Kostenberechnung nach dem Kostenverzeichnis, Gegenstandswertermittlung, Schuldnerbestimmung und Rechnungsstellung im Notariat."
Notariat im Alltag: Notarielle Kostenrechnung – GNotKG, Gegenstandswert, Kostenschuldner
Arbeitsweg
- Rolle, Ziel und gewünschtes Arbeitsprodukt klären: Wer handelt, welche Entscheidung steht an, welche Frist läuft und welcher Output wird gebraucht?
- Fristen und Eilrisiken zuerst markieren: nur die Fristen des konkreten Rechtsgebiets und der Akte verwenden; Widerspruch, Klage, Einspruch, Rechtsmittel, Verjährung, Verwirkung, Rüge-, Anzeige-, Anmelde- und Ausschlussfristen strikt trennen und nie aus einem anderen Fachgebiet übernehmen.
- Tragende Normen verifizieren: die im Plugin-Kontext einschlägigen Normen über gesetze-im-internet.de, dejure.org, eur-lex.europa.eu und die amtlichen Bundes-/Landesportale live prüfen — Fundstellen über gesetze-im-internet.de, dejure.org, openJur, BVerfG-/BGH-/EuGH-Datenbank live prüfen; keine Modellwissen-Zitate.
- Zuständige Stelle bestimmen und Adressaten richtig wählen: Mandant, Gegner, zuständige Behörde oder Gericht, Sachverständige, ggf. EU-/internationale Stelle (siehe Skill-Detail).
- Dokumente und Beweismittel sammeln und auf Lücken prüfen: Verwaltungsakte, Vertragsurkunden, Schriftsätze, Bescheide, Protokolle, Sachverständigengutachten und externe Beweismittel des Fachgebiets — fehlende Belege durch Akteneinsicht oder Rückfrage beim Mandanten beschaffen, Live-Check für tagesaktuelle Normänderungen und Verwaltungspraxis.
Zweck und Anwendungsbereich
Die notarielle Kostenrechnung nach dem Gerichts- und Notarkostengesetz (GNotKG) ist zwingend und nicht verhandelbar. Führe durch Gegenstandswertermittlung, Gebührentatbestände, Kostenschuldner und häufige Fehlerquellen in der Rechnungsstellung.
Rechtsgrundlagen: GNotKG (gesamt), §§ 34–55 GNotKG (Gegenstandswerte), § 29 GNotKG (Kostenschuldner), §§ 17–20 GNotKG (Kostenforderung, Fälligkeit), §§ 85–94 GNotKG (Vorschuss), KV GNotKG (Kostenverzeichnis), § 19 GNotKG (Kostenrechnung), § 81 GNotKG (Rechtsbehelf).
Grundstruktur der Kostenrechnung
Formel: Gegenstandswert × Gebührensatz (aus KV) = Gebühr (nach Tabelle B)
Tabelle B-Gebühr: gestaffelt nach Gegenstandswert (§ 34 GNotKG), z.B. bei 300.000 € Gegenstandswert: 1,0 Gebühr = 685 €.
Gegenstandswert (§§ 46–106 GNotKG)
| Geschäftsart | Bewertungsgrundlage |
|---|---|
| Grundstückskauf | Kaufpreis (§ 47 GNotKG) |
| Grundschuld | Nennbetrag (§ 53 GNotKG) |
| GmbH-Gründung | Stammkapital, mind. 30.000 € (§ 106 GNotKG) |
| Ehevertrag | 30 % des Reinvermögens beider Ehegatten (§ 100 GNotKG) |
| Testament/Erbvertrag | Reinnachlasswert (§ 102 GNotKG) |
| Auflassung | Verkehrswert (§ 47 GNotKG) |
| Vollmacht | 1/4 des Grundgeschäfts, mind. 1.000 € (§ 98 GNotKG) |
| Gesellschafterliste | Nennbetrag betroffene Anteile (§ 105 GNotKG) |
Wichtige Gebührentatbestände (KV GNotKG Auswahl)
| KV-Nr. | Tatbestand | Gebühr |
|---|---|---|
| 21100 | Beurkundung Grundstückskauf | 2,0 |
| 21200 | Beurkundung GmbH-Gründung (individuell) | 2,0 |
| 22110 | Vollzugstätigkeit (Grundstück) | 0,5 |
| 22200 | Betreuungstätigkeit (Grundstück) | 0,5 |
| 25100 | Beglaubigung je Unterschrift | pauschal max. 70 € |
| 14110 | Auflassungsvormerkung (Grundbuchamt) | 0,5 |
| 14121 | Eigentumsumschreibung (Grundbuchamt) | 1,0 |
Kostenschuldner (§ 29 GNotKG)
Kostenschuldner sind diejenigen, die die notarielle Tätigkeit veranlasst haben. Bei Grundstückskäufen ist der Käufer Schuldner für alle Kosten, soweit im Vertrag nicht abweichend vereinbart (aber Vereinbarung ist nur zwischen den Parteien wirksam, gegenüber dem Notar haftet jeder Beteiligte für seinen Anteil). Bei GmbH-Gründung: alle Gesellschafter als Gesamtschuldner.
Rechnungsstellung (§ 19 GNotKG)
- Schriftliche Kostenrechnung mit Urkundenrolle-Nummer
- Auflistung aller Gebührentatbestände und Gegenstandswerte
- Auslagen (§§ 20–23 GNotKG): Dokumentenpauschale, Post- und Telekommunikation (20 €), Reisekosten
- USt: 19 % auf Nettobetrag (§ 148 GNotKG)
- Zahlungsfrist: sofort fällig (§ 17 GNotKG)
Prüfprogramm
- Gegenstandswert nach den gesetzlichen Regeln berechnet (nicht vertraglich reduziert)?
- Mehrere Geschäfte in einer Urkunde: je ein Gegenstandswert (§ 35 GNotKG)?
- Niedrigstwertprinzip (§ 35 Abs. 4 GNotKG) bei Einheitswert beachtet?
- Beglaubigungsgebühr-Deckel (max. 70 € je Unterschrift) angewandt?
- Vollzugsgebühr nur für Grundstücks- und Handelsregistersachen (KV Nr. 22110)?
- Vorschuss (§ 85 GNotKG): Anforderung bei aufwändigen Vorgängen zulässig?
Typische Fallen
- Gegenstandswert nach Parteiwunsch zu niedrig angesetzt → Unterkosten → Haftung.
- Mehrere Beurkundungen zu einem Gegenstand als eine Gebühr abgerechnet (falsch).
- Beglaubigungsgebühr überschreitet 70 €-Grenze pro Unterschrift.
- Vollzugsgebühr bei reinen Beglaubigungsvorgängen angesetzt (nicht berechtigt).
- USt vergessen oder falsch berechnet.
- Kostenschuldner falsch bezeichnet → Inkassoproblem.
Rechtsquellen
- GNotKG: https://www.gesetze-im-internet.de/gnotkg/
- § 47 GNotKG (Kaufpreis): https://dejure.org/gesetze/GNotKG/47.html
- § 29 GNotKG (Schuldner): https://dejure.org/gesetze/GNotKG/29.html
- BNotK Kostenrechner: https://www.bnotk.de
- BGH zu GNotKG: https://www.bgh.de
Output-Formate
- Kostenvoranschlag (aufgegliedert nach KV-Nr.)
- Gegenstandswert-Tabelle (alle Geschäfte eines Vorgangs)
- Rechnungsentwurf (vollständig nach § 19 GNotKG)
- Kostenschuldner-Zuordnung (Tabelle)
- Mandantenmail (Kostenübersicht, Fälligkeit)
Quellen für Live-Check: https://dejure.org | https://openjur.de | https://www.gesetze-im-internet.de | https://www.bnotk.de | https://www.bgh.de | https://www.bverfg.de