name: ueberschuldung-pruefung-19-inso description: "Führt die zweistufige Überschuldungsprüfung gem. § 19 Abs. 2 InsO durch: Fortbestehensprognose (Stufe 1) und insolvenzrechtlicher Überschuldungsstatus auf Liquidationswertbasis (Stufe 2). Lädt, wenn Überschuldung geprüft, ein Überschuldungsstatus erstellt oder § 19 InsO ausgelegt werden soll im I..."
Zweistufige Überschuldungsprüfung gem. § 19 Abs. 2 InsO
Arbeitsbereich
Führt die zweistufige Überschuldungsprüfung gem. § 19 Abs. 2 InsO durch: Fortbestehensprognose (Stufe 1) und insolvenzrechtlicher Überschuldungsstatus auf Liquidationswertbasis (Stufe 2). Lädt, wenn Überschuldung geprüft, ein Überschuldungsstatus erstellt oder § 19 InsO ausgelegt werden soll. Arbeite entlang dieser konkreten Prüfungslinie und trenne Rolle, Frist, Zuständigkeit, Beweislast und gewünschten Output.
Arbeitsweg
- Rolle, Ziel und gewünschtes Arbeitsprodukt klären: Wer handelt, welche Entscheidung steht an, welche Frist läuft und welcher Output wird gebraucht?
- Fristen und Eilrisiken zuerst markieren: nur die Fristen des konkreten Rechtsgebiets und der Akte verwenden; Widerspruch, Klage, Einspruch, Rechtsmittel, Verjährung, Verwirkung, Rüge-, Anzeige-, Anmelde- und Ausschlussfristen strikt trennen und nie aus einem anderen Fachgebiet übernehmen.
- Tragende Normen verifizieren: InsO §§ 1, 13-22, 35, 39, 47, 55-56, 60, 80, 87, 129, 133, 174, 175, 270 ff., 286-300, StaRUG §§ 1, 29, 31; StaRUG §§ 1, 29, 31, 39, 49-55, 84, 102, IDW S 6, IDW S 11, InsO § 270 — Fundstellen über gesetze-im-internet.de, dejure.org, openJur, BVerfG-/BGH-/EuGH-Datenbank live prüfen; keine Modellwissen-Zitate.
- Zuständige Stelle bestimmen und Adressaten richtig wählen: Mandant, Gegner, zuständige Behörde oder Gericht, Sachverständige, ggf. EU-/internationale Stelle (siehe Skill-Detail).
- Dokumente und Beweismittel sammeln und auf Lücken prüfen: Verwaltungsakte, Vertragsurkunden, Schriftsätze, Bescheide, Protokolle, Sachverständigengutachten und externe Beweismittel des Fachgebiets — fehlende Belege durch Akteneinsicht oder Rückfrage beim Mandanten beschaffen, Live-Check für tagesaktuelle Normänderungen und Verwaltungspraxis.
Fachlicher Kern — Insolvenz- und Sanierungsrecht
- Problemfokus dieses Skills: Bleibe beim konkreten Titel
Zweistufige Überschuldungsprüfung gem. § 19 Abs. 2 InsOund löse die dort angelegte Fachfrage; arbeite mit konkreten Tatbestandsmerkmalen, Beweisfragen und dem unmittelbar benötigten Arbeitsprodukt. Routingfragen bleiben Hilfsmittel, wenn Frist, Zuständigkeit oder Verfahrensart offen sind. - Normenradar: InsO §§ 1, 13, 15a, 17, 18, 19, 21, 38 ff., 47, 49 ff., 55, 80, 103 ff., 129-147, 165 ff., 217 ff., 270 ff., 343; StaRUG; COVInsAG/Übergangsrecht nur bei Altzeiträumen; SGB III § 165.
- Verifizierte Anker: BGH, Urteil vom 10.02.2005 - IX ZR 211/02 (Grenzen § 133 InsO bei Zwangsvollstreckung/verschlepptem Antrag als Klassiker); ausländische Verfahren: § 343 InsO Anerkennung, kein deutsches Chapter-15-Verfahren, häufig inzidente Prüfung durch Register, Grundbuch, Prozessgericht und Banken.
- Arbeitsmodus: Zuerst Insolvenzgrund, Frist, Organpflicht, Verfahrensstand, Sicherheiten, Massebezug und Anfechtungszeitraum klären; dann Sanierungsfähigkeit, Plan/StaRUG, Haftung und Dokumentationsschutz.
- Outputpflicht: Krisenzeitachse, Liquiditätsstatus, Anfechtungsmatrix, Sicherheitenradar, IDW-S6-/Sanierungscheck, Register-/Grundbuch-Nachweispaket oder Schriftsatzbaustein.
- Fehlerbremse: Tragende Normen/Entscheidungen live oder aus der Akte verifizieren; Rechtsprechung nur mit Gericht, Entscheidungsform, Datum, Aktenzeichen und frei prüfbarer Quelle. Keine BeckRS-, juris-, Kommentar- oder Aufsatz-Blindzitate aus Modellwissen.
Zweck
Dieser Skill leitet die strukturierte Prüfung durch, ob bei einer Kapitalgesellschaft (insb. GmbH, UG, AG) Überschuldung i.S.d. § 19 Abs. 2 InsO als Insolvenzantragspflicht- auslösender Eröffnungsgrund vorliegt. Er klärt den modifizierten zweistufigen Überschuldungsbegriff, benennt die Prüfungsschritte, stellt Hinweise zur Dokumentation bereit und warnt vor den häufigsten Bewertungsfehlern.
Wichtig: Die Fortbestehensprognose ist nicht dasselbe wie volle Sanierungsfähigkeit. Sie prüft für § 19 InsO, ob die Zahlungsfähigkeit im Prognosezeitraum überwiegend wahrscheinlich erhalten bleibt. Ein Sanierungskonzept geht weiter und muss Krisenursachen, Leitbild, Maßnahmen, integrierte GuV-/Bilanz-/Liquiditätsplanung, Szenarien und Dokumentation zusammenführen.
Eingaben
- Jahresabschluss oder aktuelle BWA (Bilanz, GuV) des Unternehmens
- Liquiditätsplanung (Plan-GuV, Plan-Bilanz, Liquiditätsplan) — zumindest als Entwurf
- Liste der Verbindlichkeiten inkl. Rangangaben (insb. Gesellschafterdarlehen)
- Angaben zu Eventualverbindlichkeiten (Bürgschaften, Haftungsrisiken)
- Unternehmenskonzept / Sanierungsplan (sofern vorhanden)
- Stichtag der Prüfung
Rechtlicher Rahmen
Gesetzliche Grundlage
§ 19 Abs. 2 Satz 1 InsO definiert Überschuldung: Das Vermögen des Schuldners deckt die bestehenden Verbindlichkeiten nicht mehr, es sei denn, die Fortführung des Unternehmens ist nach den Umständen überwiegend wahrscheinlich. Antragspflicht gem. § 15a Abs. 1 InsO tritt bei Überschuldung grundsätzlich innerhalb von sechs Wochen ein.
Historische Entwicklung und aktueller Stand
Der modifizierte zweistufige Überschuldungsbegriff wurde durch das MoMiG 2008 eingeführt und durch das SanInsFoG / StaRUG (2021) sowie das SanInsKG (2022/2023) weiterentwickelt. Das SanInsKG verkürzte den Prognosezeitraum krisenbedingt auf vier Monate (befristete Sonderregel, galt bis 31.12.2023). Seit 01.01.2024 gilt wieder der Regelzeitraum von zwölf Monaten. Zum Stichtag 18.05.2026 beträgt der Prognosezeitraum zwölf Monate.
Rechtsprechung (Pflichtpinpoints; Az. und Datum vor Ausgabe über dejure.org / openjur.de verifizieren)
Fortbestehensprognose: Anforderungen an die Prognoseentscheidung (st. BGH-Linie): plausibler Liquiditätsplan mit nachvollziehbaren Planungsannahmen erforderlich; bloße Hoffnung auf künftige Kapitalzuführungen genügt nicht; maßgeblich ist überwiegende Wahrscheinlichkeit der Zahlungsfähigkeitserhaltung im Prognosezeitraum (12 Monate seit 01.01.2024). Unrealistische Annahmen entwerten die Prognose insgesamt.
Insolvenzrechtliche Überschuldung: Im Überschuldungsstatus sind nicht handelsbilanzielle Buchwerte, sondern Liquidations- bzw. Zerschlagungswerte anzusetzen; bei negativer Fortbestehensprognose auch stille Reserven und immaterielle Vermögensgegenstände zu Zerschlagungswerten.
Abgrenzung handelsbilanzieller vs. insolvenzrechtlicher Überschuldung: Negative Handelsbilanz indiziert mögliche insolvenzrechtliche Überschuldung, begründet sie aber nicht zwingend. Positives HGB-Eigenkapital schließt umgekehrt eine insolvenzrechtliche Überschuldung nicht aus, wenn Vermögensgegenstände zu Fortführungswerten überhöht aktiviert sind.
Qualifizierter Rangrücktritt: Ein Rangrücktritt entfernt die Forderung aus dem Überschuldungsstatus nur, wenn er mehr leistet als einen bloßen Nachrang. Er muss die Durchsetzung vor und nach Insolvenzreife so sperren, dass durch Zahlung weder Zahlungsunfähigkeit noch Überschuldung ausgelöst oder vertieft wird. Zahlung darf nur aus freiem Vermögen, aus einem künftigen Bilanzgewinn, aus Liquidationsüberschuss oder aus sonstigem freien Liquiditätsüberschuss erfolgen. Die Rechtsprechung behandelt den qualifizierten Rangrücktritt als schuldrechtliche Vereinbarung mit Wirkung zugunsten der Gläubigergesamtheit; nach Insolvenzreife kann er nicht beliebig durch Schuldner und Rangrücktrittsgläubiger zu Lasten der übrigen Gläubiger beseitigt werden. Leitanker: BGH IX ZR 133/14 vom 05.03.2015, BGH IX ZR 143/17 vom 06.12.2018, BGH IX ZR 250/20 vom 24.02.2022.
Patronat und Comfort Letter: Eine harte Patronatserklärung kann für Fortbestehensprognose und Liquiditätsplanung nur tragen, wenn Anspruchsinhaber, Leistungspflicht, Betrag, Zeitraum, Abrufmechanik und Bonität des Patrons konkret belegt sind. Eine weiche Patronatserklärung oder bloße Unterstützungserwartung beseitigt rechnerische Überschuldung nicht und trägt die Fortbestehensprognose nur ausnahmsweise, wenn eine belastbare tatsächliche Finanzierungswahrscheinlichkeit nachgewiesen ist. Leitanker: BGH II ZR 84/20 vom 13.07.2021; bei externer harter Patronatserklärung zusätzlich BGH IX ZR 95/16 vom 12.01.2017 für Haftungsfolgen bei späterer Anfechtung.
Hinweis: Aktenzeichen und Randnummern der einschlägigen BGH-Entscheidungen (zur Fortbestehensprognose, Liquidationswerten, Rangrücktritt) vor Ausgabe in offener Quelle (dejure.org, openjur.de, bundesgerichtshof.de) prüfen.
Quellen (nur verifiziert)
- Quellenregel: Keine Kommentar-, Handbuch-, Aufsatz- oder Tabellenfundstellen aus Modellwissen; nur Nutzerquelle, amtliche/freie Quelle oder lizenzierte Live-Verifikation verwenden. (umfassend zur Prüfungsreihenfolge, zum modifizierten Überschuldungsbegriff und zur Behandlung nachrangiger Verbindlichkeiten)
- Quellenregel: Literatur nur mit Nutzerquelle oder lizenziertem Live-Zugriff; keine Kommentar-, Handbuch- oder Aufsatzfundstellen aus Modellwissen. (Bewertungsmethodik Liquidationswerte, Gesellschafterdarlehen, Pensionsrückstellungen)
Berufsständische Methodenlogik
Für Überschuldungsstatus und Fortbestehensprognose ist ein integrierter Finanzplan erforderlich: Plan-GuV, Plan-Bilanz und Liquiditätsplan müssen zusammenpassen. Wenn die Prüfung zugleich eine Sanierungsaussage tragen soll, sind zusätzlich die Bausteine eines Sanierungskonzepts zu prüfen: Ausgangslage, Krisenstadium, Krisenursachen, Leitbild, Maßnahmen, integrierte Planung, Szenarien, Sanierungsfähigkeit und Dokumentation.
Ablauf
Schritt 1 — Fortbestehensprognose (Stufe 1)
1.1 Unternehmenskonzept prüfen Ist ein schlüssiges Unternehmenskonzept (Fortführungsstrategie, Geschäftsmodell, Absatzplanung) vorhanden und plausibel? Ohne Konzept kann keine positive Prognose gestellt werden.
Wenn Sanierungsfähigkeit behauptet wird, zusätzlich prüfen: Sind die wesentlichen Krisenursachen nach Maßnahmen beseitigt oder beherrschbar? Ist das Unternehmen nach Umsetzung wieder wettbewerbs-, rendite- und finanzierungsfähig? Eine bloße Liquiditätsverlängerung genügt dafür nicht.
1.2 Integrierten Finanzplan erstellen
- Plan-GuV für die kommenden zwölf Monate (Regelzeitraum ab 01.01.2024)
- Plan-Bilanz zu den relevanten Stichtagen
- monatlicher Liquiditätsplan (Mittelzuflüsse, Mittelabflüsse, Saldo)
- Maßnahmenlog mit Kosten, Timing, Verantwortlichen, Bilanz-/GuV-/Liquiditätseffekt und Belegstatus, sofern Sanierungsfähigkeit beurteilt wird.
1.3 Prognoseurteil Maßgebliches Kriterium: überwiegende Wahrscheinlichkeit (> 50 %) der Aufrechterhaltung der Zahlungsfähigkeit im Prognosezeitraum. Die Planungsannahmen sind zu plausibilisieren (Marktdaten, Auftragsbestand, gesicherte Finanzierungszusagen). Externe Gutachter (Wirtschaftsprüfer, Unternehmensberater) sind hinzuzuziehen, wenn interne Kompetenz fehlt (vgl. IDW S 11 Tz. 56 ff.).
→ Positive Prognose: Keine Überschuldung i.S.d. § 19 Abs. 2 InsO — Prüfung endet hier. → Negative Prognose (oder Prognose nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit positiv): Weiter mit Schritt 2.
Schritt 2 — Insolvenzrechtlicher Überschuldungsstatus (Stufe 2)
2.1 Aktivseite zu Liquidationswerten bewerten Sämtliche Vermögensgegenstände sind zu Zerschlagungswerten (Liquidationswerten) zu erfassen — nicht zu HGB-Buchwerten oder Fortführungswerten. Typische Abweichungen:
- Immobilien: Verkehrswert abzgl. Verwertungskosten und Zeitdruck-Abschlag
- Maschinen/Anlagen: Gebrauchtmarktwert, ggf. erheblich unter Buchwert
- Forderungen: unter Berücksichtigung von Ausfallwahrscheinlichkeiten
- Immaterielle Werte (Patente, Kundenstamm): oft stark gemindert oder null
- Latente Steueransprüche: nur ansetzen, soweit bei Liquidation realisierbar
2.2 Passivseite vollständig erfassen
- Sämtliche Verbindlichkeiten inkl. nachrangiger Forderungen gem. § 39 InsO (insb. Gesellschafterdarlehen)
- Eventualverbindlichkeiten (Bürgschaften, Garantien) nach Wahrscheinlichkeitsbewertung
- Pensionsrückstellungen: versicherungsmathematisch ermittelt, nicht HGB-Abzinsung
- Latente Steuerschulden aus stillen Reserven
- Ausnahme § 19 Abs. 2 Satz 2 InsO: Verbindlichkeiten mit qualifiziertem Rangrücktritt sind aus der Passivseite herauszulassen, wenn die Klausel eine insolvenzvermeidende Durchsetzungssperre enthält und Zahlungen nur aus freiem Vermögen, künftigen Gewinnen, Liquidationsüberschuss oder freiem Liquiditätsüberschuss zulässt. Eine bloße Rangreihenfolge oder ein einfacher Nachrang genügt nicht.
2.2a Sanierungsbausteine auf Passivseite prüfen
| Baustein | Passivierungswirkung | Prüffrage |
|---|---|---|
| Qualifizierter Rangrücktritt | Forderung kann aus dem Überschuldungsstatus ausscheiden | Sperrt die Klausel Zahlungen auch vor Insolvenzreife, soweit sie Eröffnungsgründe auslösen würden? |
| Einfacher Rangrücktritt | Forderung bleibt grundsätzlich Passivum | Wird nur die Rangfolge geregelt oder auch die Durchsetzung gesperrt? |
| Harte interne Patronatserklärung | Kann Aktiv-/Liquiditätsseite stärken | Hat die Gesellschaft einen durchsetzbaren Anspruch gegen den Patron? |
| Harte externe Patronatserklärung | Stärkt eher Gläubigerposition | Fließt rechtzeitig Liquidität an die Schuldnerin oder nur Zahlung an Dritte? |
| Weicher Comfort Letter | Keine automatische Entlastung | Ist mehr belegt als eine Unterstützungsabsicht? |
2.3 Saldierung und Ergebnis Übersteigen die Passiva die Aktiva (Liquidationswerte), liegt rechnerische Überschuldung vor. Dokumentation im Überschuldungsstatus (tabellarische Gegenüberstellung).
2.4 Gesamtergebnis und Handlungspflichten Bei Überschuldung: Antragspflicht gem. § 15a Abs. 1 InsO — Frist grundsätzlich sechs Wochen. Parallel prüfen: Zahlungsunfähigkeit gem. § 17 InsO und drohende Zahlungsunfähigkeit gem. § 18 InsO.
Beispiel
Sachverhalt: Die XY GmbH, Maschinenbau, weist zum 30.04.2026 in der Handelsbilanz ein negatives Eigenkapital von –180.000 EUR aus. Der Geschäftsführer beauftragt eine Überschuldungsprüfung nach § 19 Abs. 2 InsO.
Gutachten (Auszug)
I. Sachverhalt Die XY GmbH (Stammkapital 25.000 EUR) erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2025 einen Jahresfehlbetrag von 230.000 EUR. Der Auftragsbestand ist rückläufig; Hauptkunde (40 % Umsatz) hat Vertrag zum 30.06.2026 gekündigt.
II. Fortbestehensprognose (Stufe 1)
Unternehmenskonzept: Kein schlüssiges Restrukturierungskonzept vorhanden. Kostensenkungsmaßnahmen erst in Planung, keine gesicherten Alternativaufträge. Gesellschafter hat keine verbindliche Finanzierungszusage abgegeben.
Plan-Cashflow (12 Monate, stark vereinfacht):
| Monat | Einzahlungen | Auszahlungen | Saldo monatl. | Kumuliert |
|---|---|---|---|---|
| Mai 26 | 85.000 | 110.000 | –25.000 | –25.000 |
| Jun 26 | 60.000 | 108.000 | –48.000 | –73.000 |
| … | … | … | … | … |
| Apr 27 | 55.000 | 105.000 | –50.000 | –420.000 |
→ Kumulierter Liquiditätssaldo nach 12 Monaten: –420.000 EUR → Ergebnis Stufe 1: Negative Fortbestehensprognose. Die Zahlungsfähigkeit kann im Prognosezeitraum (12 Monate) nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit aufrechterhalten werden. Prüfung Stufe 2 ist durchzuführen.
III. Überschuldungsstatus zu Liquidationswerten (Stufe 2)
| Aktiva (Liquidationswerte) | EUR |
|---|---|
| Grundstück/Gebäude (Verkehrswert –15 %) | 320.000 |
| Maschinen/Anlagen (Gebrauchtmarktwert) | 180.000 |
| Vorräte (Liquidationsabschlag 40 %) | 90.000 |
| Forderungen (Ausfallabschlag 25 %) | 180.000 |
| Kassenbestand / Bankguthaben | 80.000 |
| Summe Aktiva | 850.000 |
| Passiva | EUR |
|---|---|
| Bankverbindlichkeiten | 600.000 |
| Lieferantenverbindlichkeiten | 150.000 |
| Steuerverbindlichkeiten | 80.000 |
| Pensionsrückstellungen (versicherungsmath.) | 120.000 |
| Gesellschafterdarlehen (§ 39 InsO-Nachrang, | |
| OHNE qualifizierten Rangrücktritt) | 200.000 |
| Summe Passiva | 1.150.000 |
| Saldo (Unterdeckung) |–300.000|
→ Ergebnis Stufe 2: Rechnerische Überschuldung i.H.v. 300.000 EUR.
IV. Rechtliches Ergebnis Die XY GmbH ist überschuldet i.S.d. § 19 Abs. 2 InsO. Der Insolvenzantragspflicht nach § 15a Abs. 1 InsO ist innerhalb von sechs Wochen nachzukommen, sofern keine Beseitigung der Überschuldung (z.B. Kapitalzuführung, Rangrücktritt mit qualifizierter Ausgestaltung) erfolgt.
Risiken und typische Fehler
Fehler 1 — HGB-Buchwerte statt Liquidationswerte Der häufigste Fehler: Der Überschuldungsstatus wird mit handelsbilanziellen Buchwerten erstellt. Das ist unzulässig. Bei negativer Fortbestehensprognose sind ausnahmslos Liquidations- bzw. Zerschlagungswerte anzusetzen (st. BGH-Linie; Az. vor Ausgabe verifizieren). Literatur nur bei vom Nutzer bereitgestellter oder lizenziert live geprüfter Quelle.
Fehler 2 — Einfacher statt qualifizierter Rangrücktritt bei Gesellschafterdarlehen Ein Gesellschafterdarlehen mit einfachem Rangrücktritt bleibt Passivposten im Überschuldungsstatus. Nur der qualifizierte Rangrücktritt (Erfüllung ausschließlich aus freiem, die übrigen Verbindlichkeiten übersteigendem Vermögen) führt gem. § 19 Abs. 2 S. 2 InsO zum Ausscheiden aus dem Status (st. BGH-Linie; konkretes Az. vor Ausgabe verifizieren).
Prüfe zusätzlich, ob die Klausel steuerlich als Rückzahlung nur aus künftigem Bilanzgewinn, Liquidationsüberschuss oder sonstigem freien Vermögen ausgestaltet ist. Wenn die Rückzahlung aus sonstigem freien Vermögen möglich bleibt, kann eine Passivierung nach Paragraf 5 Absatz 2a EStG weiterhin geboten sein; BFH I R 25/15 vom 10.08.2016 und BFH XI R 32/18 vom 19.08.2020 als Steueranker heranziehen.
Fehler 3 — Mangelhafte Fortbestehensprognose ohne Plausibilisierung Eine Fortbestehensprognose, die sich auf pauschale Hoffnungen oder ungesicherte Finanzierungsabsichten stützt, ist rechtlich wertlos. Erforderlich sind integrierte Finanzplanungen mit nachvollziehbaren Annahmen, die einer Plausibilitätsprüfung standhalten (st. BGH-Linie; Az. vor Ausgabe verifizieren).
Fehler 4 — Pensionsrückstellungen und latente Steuern falsch angesetzt Pensionsrückstellungen sind versicherungsmathematisch (nicht nach HGB-Abzinsung) zu bewerten. Latente Steueransprüche sind nur insoweit aktivierbar, als sie bei Liquidation tatsächlich realisierbar sind; latente Steuerschulden aus stillen Reserven müssen passiviert Quellenregel: Keine Kommentar-, Handbuch-, Aufsatz- oder Tabellenfundstellen aus Modellwissen; nur Nutzerquelle, amtliche/freie Quelle oder lizenzierte Live-Verifikation verwenden.
Fehler 5 — Eventualverbindlichkeiten vergessen Bürgschaften, Haftungsübernahmen und sonstige Eventualverbindlichkeiten müssen nach Inanspruchnahmewahrscheinlichkeit bewertet und passiviert werden. Ihr Fehlen im Status führt zu systematischer Untererfassung der Passiva.
Fehler 6 — Prognosezeitraum verwechselt Seit 01.01.2024 gilt wieder der 12-Monats-Zeitraum. Die SanInsKG-Verkürzung auf vier Monate ist ausgelaufen. Prognosezeitraum-Fehler infizieren die gesamte Prüfung.
Fehler 7 — Fortbestehensprognose mit Sanierungskonzept verwechseln Eine positive Liquiditätsprognose beseitigt den Überschuldungsgrund, beweist aber noch nicht, dass das Geschäftsmodell dauerhaft saniert ist. Für Sanierungsfähigkeit sind Krisenursachen, Leitbild, Maßnahmen, integrierte Planung, Sensitivitäten und Nachweise gesondert zu dokumentieren.
Quellenpflicht
Jede Aussage zu Prüfungsmaßstäben, Bewertungsmethoden oder Rechtsfolgen ist zu belegen. Mindeststandard:
- Grundlegende BGH-Linie zu Anforderungen an die Fortbestehensprognose (Plausibilität, Liquiditätsplanung): Aktenzeichen und Datum vor Ausgabe über dejure.org / openjur.de verifizieren.
- BGH-Linie zur Bewertung im Überschuldungsstatus (Liquidationswerte, stille Reserven): Az. vor Ausgabe verifizieren.
- BGH-Linie zur Abgrenzung handels- vs. insolvenzrechtliche Überschuldung: Az. vor Ausgabe verifizieren.
- Grundlegende BGH-Linie zum qualifizierten Rangrücktritt nach § 19 Abs. 2 S. 2 InsO: Az. vor Ausgabe verifizieren.
- BGH IX ZR 285/14 vom 26.01.2017 (Steuerberater-Hinweispflicht) und BGH IX ZR 56/22 vom 29.06.2023 (Drittschutz) relevant für die Berater-Position bei Erstellung der Prognose. https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=26.01.2017&Aktenzeichen=IX+ZR+285/14 https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=29.06.2023&Aktenzeichen=IX+ZR+56/22
- Quellenregel: Keine Kommentar-, Handbuch-, Aufsatz- oder Tabellenfundstellen aus Modellwissen; nur Nutzerquelle, amtliche/freie Quelle oder lizenzierte Live-Verifikation verwenden.
- Quellenregel: Literatur nur mit Nutzerquelle oder lizenziertem Live-Zugriff; keine Kommentar-, Handbuch- oder Aufsatzfundstellen aus Modellwissen.
- Berufsständischer Methodenrahmen zu Insolvenzeröffnungsgründen und Sanierungskonzepten nur als Arbeitsmaßstab; keine Literaturfundstellen ohne Nutzerquelle oder lizenzierten Live-Zugriff.
Dieser Skill ersetzt keine konkrete anwaltliche Beratung im Einzelfall.
Triage — Ueberschuldungs-Prüfung § 19 InsO
Bevor losgelegt wird, klaere:
- Bilanzieller Status? Aktiva kleiner als Passiva auf Basis von Fortfuehrungswerten (erste Stufe)?
- Stille Reserven? Grundstuecke, Beteiligungen, Patente zum Verkehrswert hoeher als Buchwert?
- Sanierungsmassnahmen einbezogen? Rangrücktritt, Patronatserklaerung, Kapitalzufuhr — bereits wirksam oder nur geplant?
- Fortbestehensprognose positiv? Dann keine Ueberschuldung trotz negativem Reinvermoegen (§ 19 Abs. 2 S. 1 InsO).
- Frist? Ueberschuldung erkannt → Antragspflicht § 15a InsO: 6 Wochen.
Output-Template Ueberschuldungs-Memo
Adressat: Geschäftsführung / Insolvenzgericht — Tonfall: sachlich-betriebswirtschaftlich
UEBERSCHULDUNGSSTATUS nach § 19 InsO
Gesellschaft: [FIRMA] Stichtag: [DATUM]
STUFE 1 — BILANZIELLER STATUS (Fortfuehrungswerte)
Aktiva (Verkehrswerte): EUR [BETRAG]
- Sachanlagen: EUR [...]
- Forderungen: EUR [...]
- Liquide Mittel: EUR [...]
Passiva: EUR [BETRAG]
- Eigenkapital: EUR [...]
- Fremdkapital: EUR [...]
BILANZIELLES REINVERMOEGEN: EUR [positiv / negativ]
STUFE 2 — FORTBESTEHENSPROGNOSE
Ergebnis Prognose: [POSITIV / NEGATIV]
Grundlage: [IDW S 11 / Eigenprognose / Liquiditaetsplanung]
ERGEBNIS:
[Ueberschuldung i.S.d. § 19 InsO: JA / NEIN]
[Antragspflicht: JA ab [DATUM] / NEIN]
Ausformulierungspflicht und Formatstandard. Das Endprodukt wird in vollständigen, ausformulierten Sätzen geliefert — keine Stichwortskelette, keine leeren Klauselrümpfe, keine reinen Aufzählungen. Klauseln stehen als ausformulierte Rechtsfolgen-Sätze; Platzhalter wie
[Name der Mandantin]werden klar markiert, der umgebende Text bleibt vollständig.Schriftbild: Wenn ein Schriftsatz, Vertrag, Memo, Beschluss, Vermerk oder sonstiges Enddokument als DOCX, PDF oder formatierter Text ausgegeben wird, ist Times New Roman 11 pt als Grundschrift zu verwenden. Überschriften bleiben in derselben Schrift und dürfen nur fett oder abgestuft sein. Bei reiner Markdown- oder Chat-Ausgabe wird dieser Formatwunsch als Exporthinweis aufgenommen.
Nummerierung: Gliederung ausschließlich dezimal (
1,1.1,1.1.1und so weiter). Keine römischen Ziffern, keine Buchstaben- oder Mischgliederung.