name: urheberrechts-versand-interessen-streitwert description: "Urheberrecht: Zahlen, Schwellen und Berechnungen. Schöpfungshöhe, Schutzfristen (70 Jahre p.m.a.), Lizenzanalogie, Filesharing-Schadensersatz, Vergütungsansprüche nach VGG/GEMA und typische Streitwert- und Schadensberechnung im Gewerblicher Rechtsschutz."
Spezial: Urheberrecht – Zahlen, Schwellen und Berechnung
Arbeitsweg
- Rolle, Ziel und gewünschtes Arbeitsprodukt klären: Wer handelt, welche Entscheidung steht an, welche Frist läuft und welcher Output wird gebraucht?
- Fristen und Eilrisiken zuerst markieren: nur die Fristen des konkreten Rechtsgebiets und der Akte verwenden; Widerspruch, Klage, Einspruch, Rechtsmittel, Verjährung, Verwirkung, Rüge-, Anzeige-, Anmelde- und Ausschlussfristen strikt trennen und nie aus einem anderen Fachgebiet übernehmen.
- Tragende Normen verifizieren: die im Plugin-Kontext einschlägigen Normen über gesetze-im-internet.de, dejure.org, eur-lex.europa.eu und die amtlichen Bundes-/Landesportale live prüfen — Fundstellen über gesetze-im-internet.de, dejure.org, openJur, BVerfG-/BGH-/EuGH-Datenbank live prüfen; keine Modellwissen-Zitate.
- Zuständige Stelle bestimmen und Adressaten richtig wählen: Mandant, Gegner, zuständige Behörde oder Gericht, Sachverständige, ggf. EU-/internationale Stelle (siehe Skill-Detail).
- Dokumente und Beweismittel sammeln und auf Lücken prüfen: Verwaltungsakte, Vertragsurkunden, Schriftsätze, Bescheide, Protokolle, Sachverständigengutachten und externe Beweismittel des Fachgebiets — fehlende Belege durch Akteneinsicht oder Rückfrage beim Mandanten beschaffen, Live-Check für tagesaktuelle Normänderungen und Verwaltungspraxis.
Zweck und Mandatsbezug
Behandelt die quantitativen Aspekte des Urheberrechts – Schutzfristen, Schöpfungshöhe, Schadensberechnungen, Lizenzanalogie und typische Streitwerte. Diese Zahlen und Schwellen sind in der Praxis entscheidend für die Bewertung eines Falls, die Formulierung einer Abmahnung und die Bezifferung von Schadensersatzforderungen.
Mandatsbezug: Mandant fragt: Wie viel Schadensersatz kann ich verlangen? Oder: Fotografin wurde abgemahnt, weil ein Blogbetreiber ihr Bild verwendet hat – was kostet das typischerweise?
Schutzdauer (§§ 64–69 UrhG)
| Werkart | Schutzdauer | Berechnung |
|---|---|---|
| Allgemein (§ 64 UrhG) | 70 Jahre nach Tod des Urhebers (p.m.a.) | Ablauf am Ende des Todesjahres + 70 |
| Filmwerk (§ 65 Abs. 2 UrhG) | 70 Jahre nach Tod des letztverstorbenen Hauptbeteiligten | Regisseur, Drehbuchautor, Komponist |
| Anonymes/pseudonymes Werk (§ 66 UrhG) | 70 Jahre nach Veröffentlichung | Wenn Urheber unbekannt bleibt |
| Lichtbild (nicht Lichtbildwerk) (§ 72 UrhG) | 50 Jahre nach Veröffentlichung | Einfacher Schutz ohne Schöpfungshöhe |
| Tonträgerhersteller (§ 85 UrhG) | 70 Jahre nach Veröffentlichung | Leistungsschutzrecht |
| Filmhersteller (§ 94 UrhG) | 50 Jahre nach Veröffentlichung | Leistungsschutzrecht |
| Presseverleger (§ 87f UrhG) | 1 Jahr nach Veröffentlichung | Leistungsschutzrecht (sehr kurz) |
Berechnung: Frist läuft bis Ende des Jahres (§ 69 UrhG); 70 Jahre p.m.a. eines 1950 verstorbenen Urhebers: Schutz bis 31.12.2020.
Schöpfungshöhe (§ 2 Abs. 2 UrhG)
Anforderungen
- Allgemein: Persönliche geistige Schöpfung; eigene schöpferische Gestaltung.
- Kleine Münze: Mindestmaß individueller Prägung ausreichend; BGH hält Anforderungen niedrig.
- Rein technische Leistungen: Kein Urheberrecht (z.B. rein maschinell generierter Text).
- Handwerksleistungen: Umstritten; BGH: auch handwerkliche Routineleistungen können Schöpfungshöhe erreichen.
Werkarten und Schöpfungshöhen-Praxis
| Werkart | Schöpfungshöhe | Beispiel |
|---|---|---|
| Literarisches Werk | Gering bis mittel | Kurztext mit individuellem Ausdruck ausreichend |
| Computerprogramm (§ 69a UrhG) | Niedrig | BGH: Eigenentwicklung ausreicht; keine besondere Kreativität nötig |
| Lichtbildwerk (§ 2 Abs. 1 Nr. 5) | Mittel | Eigene Bildkomposition, Licht, Perspektive |
| Lichtbild (§ 72 UrhG) | Keine Schöpfungshöhe nötig | Einfacher Schutz für alle Fotos |
| Datenbankwerk (§ 4 UrhG) | Mittel | Auswahl und Anordnung individuell |
| Datenbankherstellerrecht (§ 87a UrhG) | Kein Schöpfungserfordernis | Investitionsschutz |
Schadensberechnung (§ 97 Abs. 2 UrhG)
Drei Berechnungsmethoden
1. Tatsächlicher Schaden (§ 97 Abs. 2 Satz 1 UrhG):
- Entgangener Gewinn + eigener Schaden.
- Schwer bezifferbar; selten praktisch.
2. Lizenzanalogie (§ 97 Abs. 2 Satz 3 UrhG):
- Was hätte der Verletzer zahlen müssen, wenn er eine Lizenz erworben hätte?
- Üblichste Methode in der Praxis.
- Orientierung: GEMA-Tarife, MFM-Bildhonorar-Empfehlungen, Branchenüblichkeit.
3. Gewinnherausgabe (§ 97 Abs. 2 Satz 2 UrhG):
- Herausgabe des Verletzergewinns, der kausal auf Verletzung beruht.
- Streitig bei mehrstufiger Nutzung.
Lizenzanalogie in der Praxis
| Werkart | Typische Ansätze | Quelle |
|---|---|---|
| Fotografie | MFM-Empfehlungen; 150–1.500 EUR je Bild | mfm.de |
| Musik (Online) | GEMA-Online-Tarife | gema.de |
| Text (Blog/Website) | Keine offizielle Tabelle; ca. 1–5 EUR/Wort | Branchenpraxis |
| Software | Lizenzgebühren vergleichbarer Software | Sachverständigengutachten |
| Foto (fehlende Nennung Urheber) | Verdoppelung der Lizenz (BGH-Rechtsprechung) | Bgh.de |
Urheberrechtsvermerk vergessen: BGH hat Verdoppelung der Lizenzgebühr bei fehlender Urhebernennung bestätigt (§ 13 UrhG-Verletzung).
Filesharing-Schadensersatz
Bereinigte Streitwerte und Schadensersatz nach BGH-Rechtsprechung
| Kriterium | BGH-Praxis |
|---|---|
| Streitwert Unterlassung | 1.000–10.000 EUR je Werk; typisch 2.500–3.000 EUR (nach BGH „BearShare" 2014) |
| Schadensersatz Filesharing | BGH: 200 EUR je musikfremder Titel als Mindestsatz (BGH 2016); höhere Beträge möglich |
| Abmahnkostendeckelung Privat | § 97a Abs. 3 UrhG: max. 178 EUR Erstattung bei Privatperson; bei erstmaliger Abmahnung |
| Abmahnkostendeckelung greift nur | Wenn: Privat, Erstverstoß, keine gewerbliche Tätigkeit |
Berechnung Anwaltskosten-Erstattung (privater Bereich):
- Streitwert 2.500 EUR + RVG: 1,3 Geschäftsgebühr.
- Deckelung auf 178 EUR nach § 97a Abs. 3 UrhG bei Privatperson, erstmaliger Abmahnung.
Vergütungsansprüche (VGG – Verwertungsgesellschaftengesetz)
| Organisation | Bereich | Ansprüche |
|---|---|---|
| GEMA | Musik (Komponist, Texter, Verleger) | Rundfunk, Online, Live |
| VG Wort | Text (Autoren, Verleger) | Pauschalabgaben, Geräteabgaben |
| VG Bild-Kunst | Bildende Kunst, Foto, Design | Ausstellungen, Reproduktionen |
| GVL | Tonträgerhersteller, ausübende Künstler | Rundfunk, Online |
| GVLI | Filmhersteller | – |
VGG (Verwertungsgesellschaftengesetz): Regelt Aufgaben, Rechte und Pflichten von Verwertungsgesellschaften. gesetze-im-internet.de/vgg
Schätzung nach § 287 ZPO
- Wenn exakte Berechnung nicht möglich: Gericht schätzt.
- Kläger muss Grundlagen liefern (Anhaltspunkte, Tabellen, Sachverständigengutachten).
- BGH: Auch bei dürftiger Grundlage Schätzung möglich; kein Klageabweisung wegen Unberechenbarkeit.
Quellenregel
- § 97 UrhG – dejure.org
- § 97a UrhG – dejure.org
- § 64 UrhG – dejure.org
- UrhG vollständig: gesetze-im-internet.de/urhg
- MFM-Bildhonorarempfehlungen: mfm.de
- BGH-Rechtsprechung zum Filesharing-Schadensersatz: bgh.de; Gericht, Datum, AZ angeben.
- Keine BeckRS-Blindzitate; konkrete Schadensangaben immer mit aktuellem Quellennachweis.
Anschluss-Skills
abmahnung-urheberrecht– Urheberrechtliche Abmahnungspezial-klausel-beweislast-und-darlegungslast– Beweislast Urheberrechtspezial-rechtsschutz-tatbestand-beweis-und-belege– Tatbestand Urheberrechtverletzungs-triage– IP-Verletzung Erstentscheidung