name: fto-triage-gewerblicher-rechtsschutz-mandat description: "Unternehmen will Produkt einführen oder Technologie einsetzen und fragt: Verletzen wir fremde Patente? Freedom-to-Operate-Analyse FTO. Prüfraster: Recherche Espacenet DPMApaplus EP-Datenbank sperrende DE- und EP-Patente. Ergebnis Recherchepaket für Patentanwalt kein FTO-Gutachten. Output: Recherc..."
Freedom-to-Operate-Triage (FTO)
Aktenstart statt Formularstart
Wenn zu Fto Triage Gewerblicher Rechtsschutz Mandat bereits Unterlagen, ein Ordner, ein ZIP, ein PDF-Buendel, E-Mails, Screenshots, Tabellen oder Entwuerfe vorliegen, lies diese zuerst aus. Bilde für Gewerblicher Rechtsschutz eine Arbeitshypothese zu Beteiligten, Rolle des Nutzers, Verfahrensstand, Fristen, Betrags-/Datumslogik, Belegen und naechstem sinnvollen Output. Frage nicht routinemaessig nach Angaben, die sich aus der Akte ergeben.
Starte dann mit einer knappen Rueckmeldung:
Ich habe aus der Akte vorlaeufig erkannt: [...]
Unsicher sind noch: [...]
Als naechsten Schritt schlage ich vor: [...]
Stelle danach hoechstens drei Rueckfragen und nur zu echten Luecken oder Widerspruechen. Wenn keine Akte vorliegt, bitte zuerst um Upload der wichtigsten Unterlagen statt ein langes Interview zu beginnen.
Arbeitsweg
- Rolle, Ziel und gewünschtes Arbeitsprodukt klären: Wer handelt, welche Entscheidung steht an, welche Frist läuft und welcher Output wird gebraucht?
- Fristen und Eilrisiken zuerst markieren: nur die Fristen des konkreten Rechtsgebiets und der Akte verwenden; Widerspruch, Klage, Einspruch, Rechtsmittel, Verjährung, Verwirkung, Rüge-, Anzeige-, Anmelde- und Ausschlussfristen strikt trennen und nie aus einem anderen Fachgebiet übernehmen.
- Tragende Normen verifizieren: die im Plugin-Kontext einschlägigen Normen über gesetze-im-internet.de, dejure.org, eur-lex.europa.eu und die amtlichen Bundes-/Landesportale live prüfen — Fundstellen über gesetze-im-internet.de, dejure.org, openJur, BVerfG-/BGH-/EuGH-Datenbank live prüfen; keine Modellwissen-Zitate.
- Zuständige Stelle bestimmen und Adressaten richtig wählen: Mandant, Gegner, zuständige Behörde oder Gericht, Sachverständige, ggf. EU-/internationale Stelle (siehe Skill-Detail).
- Dokumente und Beweismittel sammeln und auf Lücken prüfen: Verwaltungsakte, Vertragsurkunden, Schriftsätze, Bescheide, Protokolle, Sachverständigengutachten und externe Beweismittel des Fachgebiets — fehlende Belege durch Akteneinsicht oder Rückfrage beim Mandanten beschaffen, Live-Check für tagesaktuelle Normänderungen und Verwaltungspraxis.
Eingaben
- Produkt-/Technologiebeschreibung (so detailliert wie möglich: technische Merkmale, Funktionsweise, Materialien, Verfahren)
- Zielmarkt / Vertriebsgebiet (Deutschland, EU, weltweit)
- Schlüsselwörter / Technologieklassifikation (IPC/CPC-Klassen, falls bekannt)
- Geplantes Markteinführungsdatum
- Ggf. bereits bekannte Patente (Wettbewerber)
- Relevanter Stand der Technik (falls vorhanden)
Ablauf
1. Technologie charakterisieren
Produktbeschreibung in technische Merkmale übersetzen:
- Hauptfunktion / Kernerfindung
- Unterscheidungsmerkmale gegenüber bekanntem Stand der Technik
- Schlüsselkomponenten und ihre Funktion
- Verfahrensschritte (bei Verfahrenspatenten)
- Mögliche IPC/CPC-Klassifikationen (International Patent Classification / Cooperative Patent Classification)
Vorschlag für Suchstrategie aus Merkmalen entwickeln. [prüfen] – Klassifikation und Merkmalsdefinition mit Fachmann abstimmen.
2. Patentrecherche durchführen
Pflicht-Datenbanken:
| Datenbank | URL | Umfang |
|---|---|---|
| Espacenet | worldwide.espacenet.com | Weltweite Patente; DE, EP, WO; Volltextsuche |
| DPMApaplus | depatisnet.dpma.de | Deutsche Patente und Gebrauchsmuster (DE); amtliche DPMA-Datenbank |
| Google Patents | patents.google.com | Ergänzende Suche; maschinelle Übersetzungen |
Für EP-Patente mit DE-Wirkung:
- EP-Patent nach Erteilung und Validierung in DE gültig → nationale Verletzungsklage vor deutschen Gerichten möglich (LG Düsseldorf, LG München I, LG Mannheim)
- Prüfung, ob nationales DE-Patent oder EP-Validierung vorliegt
Suchstrategie:
Schritt 1 – Keyword-Suche: Technologiebegriffe in Titel, Abstract, Ansprüchen
Schritt 2 – IPC/CPC-Klassensuche: Klassifikation + Keyword-Filter
Schritt 3 – Anmeldersuche: Bekannte Wettbewerber als Inhaber
Schritt 4 – Zitationsanalyse: Von gefundenen relevanten Patenten rückwärts zitieren
Schritt 5 – Familiensuche: Internationaler Schutzumfang von Kernpatenten
3. Gefundene Patente analysieren
Für jedes potenziell sperrende Patent:
Formelle Prüfung:
- Status: In Kraft / erloschen / nichtig / anhängig? (DPMA-Register, Espacenet Legal Status)
- Inhaberschaft: Wer ist aktueller Inhaber? Lizenzbereitschaft?
- Prioritätsdatum, Anmeldetag, Erteilungstag
- Ablaufdatum (max. 20 Jahre ab Anmeldetag, § 16 Abs. 1 PatG; ggf. SPC-Verlängerung in Pharma/Pflanzenschutz nach VO (EG) 469/2009)
- Jahresgebühren bezahlt? (DPMA-Register)
Sachliche Prüfung (Triage-Ebene):
- Anspruch 1 lesen (Hauptanspruch bestimmt Schutzbereich)
- Wesentliche Merkmale des Anspruchs identifizieren
- Abgleich mit Produktmerkmalen: Fallen alle Merkmale des Anspruchs in das Produkt?
Relevanzbewertung:
🔴 Blocking: Alle Merkmale des Anspruchs im Produkt vorhanden; Patent in Kraft; keine eindeutige Äquivalenzlücke; anwaltliche FTO-Analyse dringend erforderlich vor Markteinführung.
Rechtsprechung: keine Entscheidung aus Modellwissen zitieren; vor Ausgabe über offizielle oder frei zugängliche Quelle mit Gericht, Entscheidungsform, Datum, Aktenzeichen und tragender Aussage verifizieren.
🟡 Mittel: Einige Überschneidungen; erhebliche Merkmale nicht vorhanden; Design-around möglich; patentanwaltliche Prüfung empfohlen.
🟢 Niedrig: Nur entfernte Ähnlichkeit; Schutzbereich klar nicht getroffen; verbleibende Unsicherheiten für anwaltliche Einschätzung vermerken.
4. Lizenz- und Design-around-Optionen
Falls 🔴/🟠-Ergebnisse:
- Lizenzierung: Patentinhaber identifizieren; Lizenzbereitschaft einschätzen (FRAND-Verpflichtungen bei SEPs prüfen)
- Design-around: Welches Merkmal könnte technisch vermieden werden ohne Funktionsverlust?
- Nichtigkeitsangriff: Gibt es Stand der Technik, der Neuheit oder erfinderische Tätigkeit des Patents zerstört? (§ 21 Abs. 1 PatG; Nichtigkeitsklage vor BPatG)
- Prioritätsrecherche: Ältere Veröffentlichungen des Anmelders als potenziellen Stand der Technik prüfen
5. Recherchebericht erstellen
Quellen und Zitierweise
Zitierweise nach ../references/zitierweise.md.
Normen: §§ 9, 14, 16, 21 PatG; § 14 GebrMG; VO (EG) 469/2009 (SPC-VO Pharma); Art. 64 EPÜ (nationale Wirkung EP-Patent).
Leitentscheidungen:
Rechtsprechung: keine Entscheidung aus Modellwissen zitieren; vor Ausgabe über offizielle oder frei zugängliche Quelle mit Gericht, Entscheidungsform, Datum, Aktenzeichen und tragender Aussage verifizieren.
Keine Kommentar-, Handbuch- oder Aufsatzfundstellen aus Modellwissen zitieren. Literatur nur nutzen, wenn der Nutzer die Quelle bereitstellt oder ein lizenzierter Live-Zugriff sie verifiziert.
Kraßer/Ann, Patentrecht, 7. Aufl. 2016, § 33 Rn. 45 ff. (Schutzbereichsbestimmung).
[Modellwissen – prüfen; neuere Auflage verwenden falls verfügbar]Schulte/Moufang, PatG, 10. Aufl. 2017, § 14 Rn. 95 ff. (Äquivalenzlehre).
Beispiel (Gutachtenstil – Auszug)
Produkt: Neue Fertigungsmethode für Halbleiterbauteile mit bestimmter Schichtabfolge
Gefundenes Patent: EP 3 456 789 B1, Inhaber: TechCorp SE, in Kraft (Jahresgebühren bezahlt bis 2028), Ablauf 2033.
Anspruch 1 (vereinfacht): Verfahren zur Herstellung eines Halbleiterbauteils, umfassend: (a) Aufbringen einer Siliziumschicht, (b) Dotierung mit Phosphor, (c) thermische Aushärtung bei 800–900 °C.
Merkmalsabgleich:
| Anspruchsmerkmal | Im Produkt vorhanden? | Anmerkung |
|---|---|---|
| (a) Siliziumschicht | Ja | identisch |
| (b) Phosphordotierung | Ja | identisch |
| (c) Thermische Aushärtung 800–900 °C | Fraglich | Produkt verwendet 850 °C – innerhalb des Bereichs [prüfen] |
Ergebnis: 🔴 Blocking. Alle Merkmale zumindest prima facie im Produkt vorhanden. Keine Äquivalenzlücke erkennbar. Patentanwaltliche FTO-Analyse vor Markteinführung zwingend erforderlich.
Risiken / typische Fehler
- Nur DE-Patente prüfen: EP-Patente mit DE-Validierung haben volle nationale Wirkung; EPO-Datenbank ist Pflicht.
- Status nicht prüfen: Erloschene Patente (nicht bezahlte Jahresgebühren, Nichtigerklärung) sind kein Hindernis mehr; DPMA-Register auf aktuellen Status prüfen.
- SPC-Verlängerungen übersehen: In Pharma- und Pflanzenschutzbereich können Ergänzende Schutzzertifikate (SPC) die Schutzdauer um bis zu 5 Jahre verlängern.
- Kein FTO-Gutachten: Diese Triage ersetzt kein formelles FTO-Gutachten durch einen Patentanwalt; bei 🔴/🟠-Ergebnissen ist patentanwaltliche Einschaltung zwingend.
- Äquivalenz ist Recht, nicht Technik: Die Äquivalenzprüfung erfordert rechtliche Wertung (BGH "Pemetrexed"); nicht dem Ingenieur überlassen.
- Geheimhaltung: Technologiebeschreibungen sind vertraulich (§ 43a Abs. 2 BRAO; Geschäftsgeheimnis § 2 GeschGehG); nur intern und über gesicherte Kanäle verarbeiten.