name: share-classes-a-b-c description: "Anteilsklassen A, B, C in GmbH oder AG gestalten: unterschiedliche Gewinn-, Stimm- und Liquidationsrechte. Normen: Paragraf 29 47 GmbHG, Paragraf 11 12 AktG. Prüfraster: Satzungsgestaltung, steuerliche Wirkung, Investorenerwartungen. Output: Satzungsklauseln Anteilsklassen. Abgrenzung: nicht Golden-Share-Ein..."
Anteilsklassen A / B / C / Common
Arbeitsweg
- Rolle, Ziel und gewünschtes Arbeitsprodukt klären: Wer handelt, welche Entscheidung steht an, welche Frist läuft und welcher Output wird gebraucht?
- Fristen und Eilrisiken zuerst markieren: nur die Fristen des konkreten Rechtsgebiets und der Akte verwenden; Widerspruch, Klage, Einspruch, Rechtsmittel, Verjährung, Verwirkung, Rüge-, Anzeige-, Anmelde- und Ausschlussfristen strikt trennen und nie aus einem anderen Fachgebiet übernehmen.
- Tragende Normen verifizieren: GmbHG Paragraf 2, 3, 5, 7-11, 13, 15, 16, 35, 40, 46, 47, 48, 51a, 53, 55, 64, BGB Paragraf 705 ff. n.F., HGB Paragraf 105 ff., AktG/UmwG nur bei einschlägiger Strukturmaßnahme sowie Handelsregister-/Notarformvorgaben live prüfen; keine Modellwissen-Zitate.
- Zuständige Stelle bestimmen und Adressaten richtig wählen: Mandant, Gegner, zuständige Behörde oder Gericht, Sachverständige, ggf. EU-/internationale Stelle (siehe Skill-Detail).
- Dokumente und Beweismittel sammeln und auf Lücken prüfen: Verwaltungsakte, Vertragsurkunden, Schriftsätze, Bescheide, Protokolle, Sachverständigengutachten und externe Beweismittel des Fachgebiets — fehlende Belege durch Akteneinsicht oder Rückfrage beim Mandanten beschaffen, Live-Check für tagesaktuelle Normänderungen und Verwaltungspraxis.
Fachlicher Kern — Gesellschaftsrecht und Corporate Law
- Problemfokus dieses Skills: Bleibe beim konkreten Titel
Anteilsklassen A / B / C / Commonund löse die dort angelegte Fachfrage; arbeite mit konkreten Tatbestandsmerkmalen, Beweisfragen und dem unmittelbar benötigten Arbeitsprodukt. Routingfragen bleiben Hilfsmittel, wenn Frist, Zuständigkeit oder Verfahrensart offen sind. - Normenradar: GmbHG Paragraf 3, 5, 13, 15, 16, 30, 34, 35, 40, 43, 46, 47, 49 ff.; AktG Paragraf 76, 93, 111, 119, 130, 243 ff.; HGB Paragraf 105 ff., 161 ff.; MoPeG/GesRÄndG-Folgen; UmwG; FamFG/Registerrecht; GWB/Fusionskontrolle bei Transaktionen.
- Rechtsprechungsanker: BGH, 21.04.1997 - II ZR 175/95 für Organpflichten und Informationsgrundlage; BGH, 20.11.2018 - II ZR 12/17 für Listen- und Legitimationsfragen. Weitere Entscheidungen nur mit frei prüfbarer Quelle.
- Arbeitsmodus: Erst Gesellschaftsform, Organ, Beschlussweg, Vertretung, Registerlage, wirtschaftliches Ziel und Minderheitenposition sortieren; dann Treuepflicht, Kapitalerhaltung, Haftung, Transaktions-Closing und Beweis-/Vollzugsrisiko prüfen.
- Outputpflicht: Beschluss-/Listenmatrix, Register-To-do, Board-/Beiratsvorlage, Closing-CP-Liste, Treuepflicht-Red-Team, Geschäftsführerhaftungsmemo oder Mandanten-Decision-Paper.
- Fehlerbremse: Tragende Normen/Entscheidungen live oder aus der Akte verifizieren; Rechtsprechung nur mit Gericht, Entscheidungsform, Datum, Aktenzeichen und frei prüfbarer Quelle. Keine BeckRS-, juris-, Kommentar- oder Aufsatz-Blindzitate aus Modellwissen.
Triage — kläre vor der Klassenstruktur
- Liegt bereits ein Term Sheet oder LOI eines Investors vor — und fordert der Investor Vorzugsklassen?
- Sollen Gründer vor Investor-Verwässerung geschützt werden (dann: Super-Voting Common)?
- Ist ein ESOP-/VSOP-Pool geplant, der eine eigene Klasse benötigt?
- Besteht bei der aktuellen Gesellschafterstruktur bereits ein Klassenkonflikt-Risiko (z.B. 50/50 ohne Stichentscheid)?
- Sind bilinguale Klauselversionen (Deutsch/Englisch) für internationalen Investor erforderlich?
Zentrale Normen
- Paragraf 45 GmbHG — Rechte der Gesellschafter; Abweichung von Satzungsstandards durch Satzung möglich.
- Paragraf 47 GmbHG — Stimmrecht: 1 EUR Stammkapital = 1 Stimme Standard; Abweichungen in Satzung zulässig.
- Paragraf 55 Abs. 2 GmbHG — Bezugsrecht bei Kapitalerhöhung; Ausschluss möglich bei sachlicher Rechtfertigung.
- Paragraf 53 Abs. 2 GmbHG — Satzungsänderung: 75-%-Mehrheit; Einführung von Klassen erfordert Satzungsänderung.
- Paragraf 14 GmbHG — Grundrechte der Gesellschafter: Gewinnanteil, Stimmrecht, Auskunft — können in Klassen differenziert werden.
Aktuelle Rechtsprechung
- Rechtsprechung nur mit Gericht, Datum, Aktenzeichen, tragender Aussage und frei prüfbarer Quelle verwenden.
Klassen-Übersichtstabelle
| Klasse | Typischer Inhaber | Stimmrecht | Liquidation Preference | Anti-Dilution | Veto-Rechte |
|---|---|---|---|---|---|
| Common | Gründer / Management | 1:1 (oder Super-Voting) | — | — | — |
| Class A (Series A) | Erster institutioneller Investor | 1:1 oder 1:1,2 | 1x non-participating | Weighted Avg. broad | Ja |
| Class B (Series B) | Zweiter Investor | 1:1 | 1x-1,5x non-participating | Weighted Avg. broad | Ja |
| Class C+ | Spätere Runden | 1:1 | Pari passu oder 1x | Weighted Avg. broad | Ja |
| ESOP Common | Mitarbeiter (Pool) | — oder 1:1 | — | — | — |
Typische Klauseln
Liquidation Preference (1x non-participating)
Paragraf [X] Liquidation Preference
(1) Im Fall der Auflösung der Gesellschaft, eines Unternehmensverkaufs
(Share Deal oder Asset Deal) oder einer anderen Liquidationsmassnahme
erhalten die Inhaber von Anteilen der Klasse A (Class A) vor Verteilung
an die Inhaber von Common-Anteilen einen Betrag in Höhe des jeweils
geleisteten Ausgabepreises ihrer Class-A-Anteile (Liquidation Preference).
(2) Nach Auszahlung der Liquidation Preference nach Absatz 1 nehmen
die Inhaber der Class-A-Anteile nicht weiter am Resterlös teil
(non-participating).
(3) Class-A-Inhaber koennen anstelle der Liquidation Preference waehlen,
an der Verteilung anteilig nach Nominalanteil teilzunehmen, wenn dies für
sie rechnerisch vorteilhafter ist.
Anti-Dilution (Weighted Average broad-based)
Paragraf [Y] Anti-Dilution-Schutz
Bei einer Ausgabe neuer Anteile zu einem Preis pro Anteil (Issue Price),
der unter dem Ausgabepreis der Class-A-Anteile liegt (Down Round), wird
der Ausgabepreis der Class-A-Anteile angepasst auf Basis der folgenden
gewichteten Durchschnittsformel (Weighted Average, broad-based):
CP2 = CP1 × (A + B) / (A + C)
CP1 = bisheriger Class-A-Ausgabepreis
CP2 = angepasster Class-A-Ausgabepreis
A = Anzahl ausstehender Anteile vor Down-Round-Ausgabe
B = Gegenwert der neuen Anteile zum bisherigen CP1 in EUR
C = Anzahl tatsaechlich ausgegebener neuer Anteile
Die Anpassung erfolgt durch Ausgabe zusaetzlicher Class-A-Anteile oder
durch Aendrung des Ausgabepreises für ausstehende Class-A-Anteile.
Schritt-für-Schritt-Workflow
- Triage — 5 Triage-Fragen beantworten; Investor-Anforderungen klären.
- Klassensystem entwerfen — Common, Class A (B, C) und ESOP-Pool definieren.
- Stimmrecht — Super-Voting für Gründer? Mehrstimmrecht für bestimmte GV-Beschlüsse?
- Liquidation Preference — 1x non-participating Standard; participating nur auf expliziten Investor-Wunsch.
- Anti-Dilution — Weighted Average broad-based Standard; Full Ratchet nur bei Ausnahme-Investoren.
- Vetorechtskatalog — welche Beschlüsse erfordern Zustimmung des Class-A-Investors?
- Satzungsklauseln entwerfen — auf Basis der Muster oben; bilingual (D/E) bei internationalem Investor.
- Satzungsänderung — Notar-Termin; 75-%-Mehrheit; HR-Anmeldung.
Output-Template Klassenstruktur-Übersicht
Adressat: Investor / Gründer intern — Tonfall sachlich-präzise
KLASSENSTRUKTUR [FIRMENNAME] GMBH
Stand: [Datum]
Version: [Nr.]
CAP TABLE MIT KLASSEN
| Gesellschafter | Klasse | Anteile | % | Ausgabepreis | Liq. Pref. | Anti-Dil. | Veto |
|---------------|-------|---------|---|-------------|-----------|----------|------|
| [Gründer 1] | Common | [Nr.] |[%]| [EUR] | — | — | — |
| [Gründer 2] | Common | [Nr.] |[%]| [EUR] | — | — | — |
| [Investor A] | Class A | [Nr.] |[%]| [EUR] | 1x NP | WA broad | Ja |
| ESOP Pool | Common | [Nr.] |[%]| reserviert | — | — | — |
VETORECHTE CLASS A (Investor)
[ ] Kapitalerhöhung > [EUR]
[ ] Unternehmensverkauf / Liquidation
[ ] Änderung der Investorenrechte
[ ] Ausgabe neuer Vorzugsanteile
[ ] Dividenden-Beschluss
Rote Schwellen
- Bezugsrechtsausschluss für neue Klasse ohne sachliche Rechtfertigung → anfechtbar (BGH Kali+Salz).
- Rechtsprechung nur mit Gericht, Datum, Aktenzeichen, tragender Aussage und frei prüfbarer Quelle verwenden.
- Klassensystem ohne Satzungsgrundlage (nur in SHA) → keine dingliche Wirkung; schuldrechtlich nur.
- Full-Ratchet-Anti-Dilution ohne explizite Zustimmung aller Gründer → Verwässerungsschutz kann ruinös wirken; sorgfältig verhandeln.
Quellen und Vertiefung
- Paragraf 14, 45, 47, 53, 55 GmbHG (Gesellschafterrechte, Stimmrecht, Satzungsänderung, Kapitalerhöhung)
- Rechtsprechung nur mit Gericht, Datum, Aktenzeichen, tragender Aussage und frei prüfbarer Quelle verwenden.
- Scholz/Seibt, GmbHG, Paragraf 47 Rn. 30-50
Übergabe an andere Skills
gesellschaftsgruender-gesellschaftervereinbarung— Liquidation Preference, Anti-Dilution im SHAgesellschaftsgruender-genehmigtes-kapital— Ausgabe neuer Klassen aus genehmigtem Kapitalgesellschaftsgruender-kapitalerhoehung-bezugsrecht— ordentliche KE mit Bezugsrechtsausschlussgesellschaftsgruender-klauselkatalog-bilingual— Klauseln in Deutsch und Englisch