name: einfache-sprache description: "Kanzlei oder Behörde will juristischen Text für normale Buerger verstaendlich machen: Einfache Sprache B1-Niveau zielgruppenorientiert klare Gliederung erklärte Rechtsbegriffe gesicherte Fristen. Normen BGG § 11 Leichte Sprache Behindertenrecht BITV 2.0. Prüfraster Satzlaenge Aktiv-Passiv-Balance..."
Einfache Sprache
Dieses Fachmodul, wenn ein juristischer Text für ein allgemeines Publikum verständlich werden soll, ohne die Standardsprache vollständig zu verlassen.
Triage zu Beginn
- Welche Zielgruppe soll den Text lesen (allgemeines Publikum, Personen mit geringer Lesekompetenz, Verbraucher mit Behördenkontakt)?
- Welches Medium: Brief, Bescheid, Website, Formular, E-Mail?
- Darf der Text stark gekürzt werden oder muss der vollständige Rechtsinhalt erhalten bleiben?
- Gibt es bereits einen Hausstil oder eine Vorlage für Einfache Sprache in der Einrichtung?
Aktuelle Rechtsprechung
- Rechtsprechung: keine Entscheidung aus Modellwissen zitieren; vor Ausgabe über offizielle oder frei zugängliche Quelle mit Gericht, Entscheidungsform, Datum, Aktenzeichen und tragender Aussage verifizieren.
Zentrale Normen
- § 11 BGG — Barrierefreiheit von Bescheiden und öffentlichen Dokumenten
- § 9 EBV — Einfache Sprache in Bescheiden der Erbenberatung
- § 242 BGB — Treu und Glauben als Grundlage des Transparenzgebots
- BITV 2.0 — Barrierefreie-Informationstechnik-Verordnung, Anhang 1 (Verstaendlichkeit digitaler Dokumente)
Normen & Rechtsprechung
Konkret zu prüfen:
- § 11 SGB I (Verständlichkeit)
- BGG (Behindertengleichstellungsgesetz) § 11
- BITV 2.0 (Barrierefreie Informationstechnik-Verordnung)
- UN-BRK Art. 9, 21
Output-Template: Einfache-Sprache-Fassung
Adressat: Mandant / Buerger — Tonfall: klar, direkt, respektvoll
### Kurze Antwort
[1-2 Saetze: Das Wichtigste zuerst]
### Was ist passiert?
[Sachverhalt ohne Fachjargon]
### Was bedeutet das für Sie?
[Rechtliche Konsequenzen in verstaendlichen Worten]
### Was koennen Sie jetzt tun?
Option A: [Handlung 1 — Frist: DD.MM.JJJJ]
Option B: [Handlung 2]
### Frist
Wichtig: Bis [DATUM] muessen Sie handeln.
Wenn Sie nichts tun, dann: [Rechtsfolge kurz]
### Schwere Woerter kurz erklaert
- Widerspruch: Sie sagen der Behörde, dass Sie nicht einverstanden sind.
- Verjährung: Nach Ablauf dieser Frist koennen Sie nichts mehr verlangen.
Ziel
Der Text soll schnell beantworten:
- Worum geht es?
- Was bedeutet das für die lesende Person?
- Was muss oder kann sie tun?
- Bis wann?
- Was passiert, wenn sie nichts tut?
Regeln für die Übertragung
- Stelle die wichtigste Information an den Anfang.
- Verwende klare Überschriften.
- Halte Absätze kurz.
- Schreibe aktiv.
- Nutze Verben statt Substantivierungen.
- Vermeide verschachtelte Sätze.
- Erkläre Fachwörter beim ersten Auftreten.
- Verwende denselben Begriff immer gleich.
- Ersetze Amts- und Kanzleistil durch direkte, respektvolle Sprache.
- Lass Rechtsgrundlagen stehen, wenn sie wichtig sind, aber erkläre ihre Bedeutung.
Juristische Struktur
Für Mandantenbriefe und Verbraucherinformationen verwende bevorzugt:
### Kurze Antwort
...
### Was ist passiert?
...
### Was bedeutet das für Sie?
...
### Was können Sie jetzt tun?
...
### Frist
...
### Schwere Wörter kurz erklärt
...
Was nicht passieren darf
- Keine Frist verkürzen oder verlängern.
- Keine Pflicht in eine bloße Empfehlung umformulieren.
- Kein Wahlrecht unterschlagen.
- Keine Ausnahme weglassen, wenn sie praktisch wichtig sein kann.
- Keine ungesicherte Rechtsberatung hinzufügen.
- Keine rechtliche Unsicherheit als sicher darstellen.
Stilhinweise
Schlecht:
Gegen den Bescheid kann binnen eines Monats nach Bekanntgabe Widerspruch erhoben werden.
Besser:
Sie können Widerspruch einlegen. Dafür haben Sie 1 Monat Zeit. Die Frist beginnt, wenn Sie den Bescheid bekommen haben.
Ausgabe
Gib am Ende eine Mini-Prüfung aus:
| Punkt | Ergebnis |
|---|---|
| Zielgruppe genannt | ja/nein |
| Fristen erhalten | ja/nein |
| Rechtsfolgen erhalten | ja/nein |
| schwere Wörter erklärt | ja/nein |
| weiterer Prüfbedarf | kurz |