name: dfg-finanzplan-module-personal-geraete description: "DFG-Finanzplan und Modulbegründung erstellen: Personal, Geräte, Verbrauchsmittel, Reisen, Workshops, Mercator Fellow, Chancengleichheit, Öffentlichkeitsarbeit, Kostenlogik und Kürzungsabwehr."
Finanzplan und Module
Worum geht es
Der Finanzplan ist ein wissenschaftliches Argument in Zahlen. Jede Position muss sichtbar machen, welches Arbeitspaket ohne sie schwächer oder unmöglich wäre. Reviewer und Hauptausschuss können kürzen — wer keine AP-Funktion pro Position hat, wird gekürzt. Wer überzogene Positionen hat, wird stärker gekürzt. Wer aber jede Position aus dem Arbeitsprogramm ableitet und sauber begründet, bekommt typisch 85 bis 100 Prozent.
Alte-Hasen-Faustregel: Personal ist immer der größte Block (typisch 60 bis 85 Prozent). Wer hier verschwurbelt, verliert. Faustregel beim ersten Entwurf: 70 Prozent Personal, 15 Prozent Sachmittel, 10 Prozent Reisen, 5 Prozent Sonstiges. Wenn das Verhältnis stark abweicht, kommt eine Begründung dazu.
Wann dieses Modul hilft / Kaltstart-Fragen
Sie brauchen diesen Skill, wenn das Arbeitsprogramm steht (oder im Entwurf vorliegt) und daraus jetzt der Finanzplan abgeleitet werden muss — oder wenn ein vorhandener Finanzplan kürzungsgefährdet wirkt.
Kaltstartfragen:
- Arbeitspakete fertig? Wenn nein, zuerst
dfg-projektbeschreibung-arbeitsprogramm. - Personal: Welche Qualifikation pro AP? TV-L 13 (Doktorand, Postdoc), TV-L 14 (Postdoc mit eigenständiger Verantwortung), studentische Hilfskräfte?
- Geräte: Welche Geräte über 10.000 Euro? Bereits vorhanden in der Institution?
- Reisemittel: Welche Konferenzen, Kooperations-Treffen, Datenerhebungs-Reisen?
- Publikationsmittel: Open-Access-Gebühren einplanen?
- Module: welche Module sind erforderlich (Eigene Stelle, Mercator Fellow, Workshop)?
- Eigenmittel der Institution: was wird durch Universität gestellt?
Programm- bzw. Sachrahmen
Wichtig: Keine Gemeinkostenpauschale. Anders als z. B. BMBF kennt die DFG keine pauschale Overhead-Erstattung an Antragsteller direkt. Es gibt allerdings eine Programmpauschale für Hochschulen (Stand vom Antragsteller live zu prüfen — Prozentsatz ändert sich) — die geht direkt an die Universität, nicht in den Projekthaushalt.
Personalmittel.
- TV-L 13 für promovierende WMA und frühe Postdocs.
- TV-L 14 für erfahrene Postdocs mit eigenständiger Projektverantwortung.
- Doktorand: typisch TV-L 13, 65 bis 75 Prozent (Faustregel, je nach Disziplin und institutioneller Praxis).
- Postdoc: typisch TV-L 13, 100 Prozent.
- Studentische Hilfskräfte (SHK): Stundensatz nach Landestarif, typisch 9 bis 13 Euro/Std. — Antragsteller verifiziert aktuellen Satz.
- Tarifsteigerungen einplanen — bei Mehrjahresprojekten 2 bis 3 Prozent pro Jahr ansetzen.
Sachmittel.
- Geräte über 10.000 Euro: Angebot in Anlage. Geräte über 50.000 Euro: drei Angebote.
- Verbrauchsmittel: Pauschal kalkulierbar, aber pro AP begründet.
- Software-Lizenzen: mit konkretem Bedarf koppeln.
Reisemittel.
- Tagungen: konkrete Tagungen nennen, wenn bekannt — oder Kategorisierung (z. B. "eine internationale Hauptkonferenz pro Jahr").
- Datenerhebung: Reiseziele konkret.
- Kooperationstreffen: mit Kooperationsschreiben in Anlage belegt.
Publikationsmittel. Pauschale pro Jahr (Stand 2024 etwa 750 Euro — vom Antragsteller live verifizieren). Wer mehr braucht (Open-Access in Gold-Journalen), beantragt explizit.
Modul Eigene Stelle. Volle Stelle TV-L 13 oder 14 für den Antragsteller selbst, wenn keine Dauerstelle vorhanden. Volle Begründung, dass institutionell keine Stelle verfügbar ist.
Modul Mercator Fellow. Pauschale plus Reisekosten plus ggf. Aufenthaltskosten. Konkrete Person mit Kooperationszusage, klarer Beitrag zum Projekt.
Modul Workshop. Reisekosten, Verpflegung, ggf. Honorare für externe Referenten. Workshop muss klaren Projektbezug haben (Datenvalidierung, Methodenabstimmung, nicht nur "Vernetzung").
Modul Chancengleichheit. Antrag erst, wenn konkreter Bedarf (z. B. Kinderbetreuung für Konferenzreise) — pauschale Beantragung wirkt fadenscheinig.
Modul Öffentlichkeitsarbeit. Wenn Projektergebnisse für die breitere Öffentlichkeit interessant sind und konkrete Maßnahmen (Webseite, Video, Veranstaltung) geplant.
Praxisleitfaden
Was schnelle Genehmigung produziert.
- Personal-zu-AP-Matrix in Tabellenform. Jede Person, jede Prozentangabe, jedem AP zugeordnet.
- Personalkosten realistisch berechnet — Tarifrechner der Heimatuniversität benutzen, nicht aus dem Kopf. Inklusive AG-Anteil!
- Geräte begründet durch Arbeitspaket-Funktion plus Beleg, dass an der Institution nicht vorhanden.
- Reisemittel konkret — drei Konferenzbeispiele besser als "Reisemittel für Konferenzen pauschal".
- Modulwahl knapp — drei statt sechs Module.
Was Reviewer triggert (Personalplanung-Falle).
- "3 WMA für AP 1-3" ohne klare Differenzierung — wirkt überstaffed.
- "WMA in Vollzeit für 36 Monate für eine reine Pilotstudie" — wirkt unterausgelastet.
- "3 Doktoranden für 1 Themenfeld" — Reviewer fragt: "Was soll jeder einzeln machen?". Wenn keine klare Differenzierung, wird einer gestrichen.
- "Postdoc und Doktorand machen dasselbe AP" — wirkt redundant.
- "Tarifsteigerung nicht eingerechnet" — Reviewer rechnet nach und stellt fest, dass im letzten Jahr Geld fehlt.
Was Reviewer triggert (Gerätekosten).
- "Vorhandenes Gerät in der Institution nicht erwähnt" — Reviewer hat oft Insiderkenntnis über die Geräteausstattung von Standardinstituten.
- "Gerät teurer als Marktpreis" — Reviewer googelt.
- "Eigenmittel der Institution nicht ausgewiesen" — wirkt, als wolle Antragsteller alle Kosten auf die DFG schieben.
Was Reviewer triggert (Reisemittel).
- "3 internationale Konferenzen pro Jahr für eine 65-Prozent-Stelle" — überdimensioniert.
- "Reisemittel für Kooperationstreffen" ohne Kooperationsschreiben.
- "Feldforschung in [Land X]" ohne ausgewiesene Forschungspartner vor Ort.
Trade-off PostDoc vs. Doktorand.
| Aspekt | Doktorand TV-L 13/65% | Postdoc TV-L 13/100% |
|---|---|---|
| Kosten pro Jahr | typisch günstiger | typisch teurer |
| Produktivität | langsamer, mit Qualifikationsphase | schneller, eigenständiger |
| Risiko | höher (Abbruch möglich) | geringer |
| Karrierebeitrag der Institution | hoch (Dr.-Titel) | niedriger |
| Reviewer-Wahrnehmung | "Qualifizierungsstelle" | "Produktionsstelle" |
Empfehlung: Bei langem Datenerhebungsanteil eher Doktorand. Bei methodisch anspruchsvoller Auswertung eher Postdoc. Mischung möglich (1 Postdoc + 1 Doktorand), wenn AP-Differenzierung klar.
Trade-off-Matrix
| Trade-off | Pfad A | Pfad B | Empfehlung |
|---|---|---|---|
| Personal-Stärke | überdimensioniert | minimal | Realistisch, jede Stelle AP-funktional |
| Geräte beantragen vs. mitnutzen | Neukauf | Mitnutzung am Institut | Mitnutzung wenn möglich, Neukauf nur bei klarer Notwendigkeit |
| Module wenige vs. viele | 2 Module | 5+ Module | Wenige, jedes klar begründet |
| Reisemittel konkret vs. pauschal | konkrete Konferenzen | pauschale Reisemittel | Konkret, mindestens beispielhaft |
| Tarifsteigerung einplanen | aufschlagen | nicht aufschlagen | Aufschlagen — Reviewer rechnet nach |
| Minimal- vs. Idealbudget | Minimal | Ideal mit Optionen | Ideal beantragen, Minimal in Kürzungsabwehr bereit halten |
Schritt für Schritt
- Arbeitspakete als Anker. Jede Finanzposition muss eine AP-Funktion haben.
- Personalmatrix bauen (Tabelle: Person — Stellenkategorie — Prozent — AP-Zuordnung — Monate).
- Tarifrechner der Heimatuniversität anwerfen — Personalkosten inklusive AG-Anteil und Tarifsteigerung.
- Geräte/Verbrauchsmittel pro AP zuordnen.
- Reisemittel mit konkreten Beispielen.
- Modulwahl treffen, jedes Modul begründen.
- Eigenmittel der Institution sichtbar machen.
- Kürzungsabwehr-Argumente vorbereiten (siehe unten).
- Minimal- vs. Idealbudget-Vergleich für interne Strategie.
Mustertexte / Vorlagen
Personalmatrix (Vorlage):
| Position | Stelle | Prozent | Monate | AP-Zuordnung | Aufgabe |
|---|---|---|---|---|---|
| WMA1 | TV-L 13 | 100 | 1-36 | AP1.1, AP1.2, AP2 | Datenerhebung und Auswertung |
| WMA2 | TV-L 13 | 65 | 6-36 | AP3 | Methodenentwicklung Modell X |
| SHK | SHK-Vertrag | 10h/Woche | 12-30 | AP2 | Codierung Interviewdaten |
| Postdoc | TV-L 14 | 50 | 1-36 | AP4 | Theorieintegration und Publikation |
Finanzplan-Übersicht (Vorlage):
| Position | Begründung | Summe |
|---|---|---|
| Personal WMA1 (TV-L 13, 100%, 36 Mon.) | AP1, AP2 — Datenerhebung und Auswertung | [Zahl] Euro |
| Personal WMA2 (TV-L 13, 65%, 30 Mon.) | AP3 — Methodenentwicklung | [Zahl] Euro |
| Personal Postdoc (TV-L 14, 50%, 36 Mon.) | AP4 — Theorie und Publikation | [Zahl] Euro |
| Personal SHK | AP2 — Codierung | [Zahl] Euro |
| Gerät [X] (Angebot Anlage 5) | AP1 — nicht an Institution vorhanden | [Zahl] Euro |
| Verbrauchsmittel | AP1, AP2 | [Zahl] Euro |
| Reisen (Konferenzen plus Feldforschung) | AP1, AP4 — siehe Liste | [Zahl] Euro |
| Publikationsmittel (Pauschale) | Open Access und Druckkosten | [Zahl] Euro |
| Sonstiges | klar abgegrenzt | [Zahl] Euro |
| Summe | [Zahl] Euro |
Kürzungsabwehr (Vorlage):
| Einwand des Reviewers | Mein Gegenmittel im Antrag |
|---|---|
| zu viel Personal | AP-Auslastung pro Stelle dargestellt, kein AP überstaffed |
| Gerät nicht nötig | Mitnutzung am Institut geprüft (Anlage 8), Alternative zu teuer |
| Reisen diffus | konkrete Konferenzen genannt (Liste in Antrag) |
| Workshop dekorativ | klarer Output definiert (Datenvalidierung gemeinsam mit Partnern) |
| TV-L 14 statt 13 | Postdoc-Profil und eigenständige Verantwortung ausgewiesen |
| Doktorand 100% statt 65% | nicht: bei TV-L 13 typisch 65% — Stundenangabe geprüft |
Typische Fehler
- 3 Doktoranden für 1 Themenfeld ohne AP-Differenzierung.
- Tarifsteigerung vergessen — im letzten Projektjahr fehlen 5.000 Euro.
- Gerät beantragt, das die Institution bereits hat (Reviewer-Insider weiß das).
- Reisemittel ohne Konferenz-Beispiele.
- Mercator Fellow ohne Kooperationsschreiben.
- Workshop ohne Output-Definition.
- "Sonstiges" als undurchsichtige Puffer-Position.
- Chancengleichheits-Modul pauschal "für Maßnahmen" ohne konkreten Bedarf.
- Eigenmittel der Institution nicht ausgewiesen.
- Personalkosten ohne AG-Anteil gerechnet (das geht systematisch schief um 20 bis 25 Prozent).
- Programmpauschale für die Universität vergessen zu erwähnen.
Regelungs- und Quellenanker
Arbeitsfokus: Finanzplan und Module. Prüfe diese Anker am Sachverhalt; ergänze nur Normen, die denselben Output, dieselbe Frist oder dieselbe Beweisfrage tragen:
§ 7 Abs. 1 BHO— Wirtschaftlichkeit, Sparsamkeit und plausibler Mitteleinsatz.§ 23 BHO— Zuwendungszweck und erhebliches Bundesinteresse als Förderlogik.§ 44 Abs. 1 BHO— Bewilligung, Nachweis und Prüfung von Zuwendungen.§ 55 Abs. 1 BHO— Vergabebezug bei Beschaffung aus Fördermitteln.§ 58 BHO— Änderung von Verträgen und haushaltsrechtliche Bindungen.Art. 91b Abs. 1 GG— Bund-Länder-Kooperation in der Forschungsförderung.DFG-Vordruck Sachbeihilfe Finanzierungsplan— Personal, Geräte, Verbrauchsmittel und Reisen getrennt begründen.DFG-Kodex Leitlinie 7— Qualitätssicherung auch bei Mittelverwendung und Dokumentation.
Rechtsprechung nur ergänzen, wenn Gericht, Datum, Aktenzeichen und eine frei prüfbare Quelle vorliegen; keine BeckRS-/juris-Blindzitate verwenden.
Quellen Stand 05/2026
- DFG-Hinweise zur Finanzplanung: dfg.de
- DFG-Vordrucke (Finanzplan, Modulübersicht): dfg.de — am Einreichtag live ziehen.
- DFG-Programmpauschale (Hochschulen): dfg.de — Prozentsatz und Verfahren verifizieren.
- Tarifrechner TV-L der Heimatuniversität.
- DFG-FAQ zu Personalmitteln: dfg.de
Personalkostensätze, Tarifsteigerungen und Pauschalen ändern sich — keine aus dem Gedächtnis geschriebenen Zahlen verwenden.