name: notverordnung-und-demokratiekrise description: "Deutsche Rechtsgeschichte: Notverordnungen und Demokratiekrise 1930-1933. Art. 48 WRV in der Praxis, Praesidialkabinette Bruening, Papen, Schleicher, Notverordnungsflut und legaler Weg zur NS-Machtergreifung im Deutsche Rechtsgeschichte."
Notverordnung und Demokratiekrise (1930-1933)
Arbeitsweg
- Rolle, Ziel und gewünschtes Arbeitsprodukt klären: Wer handelt, welche Entscheidung steht an, welche Frist läuft und welcher Output wird gebraucht?
- Fristen und Eilrisiken zuerst markieren: historisch — Verjährung nach jeweiliger Quelle; heutige Relevanz über Art. 184 ff. EGBGB und Auslegungshilfe für Grundrechtsverständnis.
- Tragende Normen verifizieren: Sachsenspiegel, Schwabenspiegel, Carolina (CCC 1532), Preußisches ALR 1794, Code civil (1804), Sächsisches BGB 1865, BGB 1900, WRV 1919, GG 1949; rechtshistorische Quellen MGH, Constitutiones — Fundstellen über gesetze-im-internet.de, dejure.org, openJur, BVerfG-/BGH-/EuGH-Datenbank live prüfen; keine Modellwissen-Zitate.
- Zuständige Stelle bestimmen und Adressaten richtig wählen: Rechtshistoriker, Quelleneditionen, Lehrstühle für deutsche Rechtsgeschichte, Verfassungsrechtler (Auslegungshintergrund), Restitutionsverfahren mit historischem Anker.
- Dokumente und Beweismittel sammeln und auf Lücken prüfen: Quellenedition, rechtshistorisches Gutachten, Vorlesungsskript, dogmenhistorischer Aufsatz, Verfassungsentstehungsgeschichte — fehlende Belege durch Akteneinsicht oder Rückfrage beim Mandanten beschaffen, Live-Check für tagesaktuelle Normänderungen und Verwaltungspraxis.
Worum es geht
Die Praesidialkabinette 1930-1933 regierten Deutschland faktisch per Notverordnung (Art. 48 WRV). Bruening erliess 1930-1932 über 60 Notverordnungen, Papen 1932 über 50. Der Reichstag wurde regelmassig aufgeloest. Die Notverordnungsflut 1930-1933 aushoehlte den Parlamentarismus der WRV. Als Legitimation diente angebliche Staatsnotlage. Das Ermächtigungsgesetz vom 24. Maerz 1933 (RGBl. I 1933, 141) gab der Reichsregierung ohne parlamentarische Kontrolle Gesetzgebungskompetenz. Carl Schmitt rechtfertigte Art. 48 als Instrument des Ausnahmerechts (Politische Theologie, 1922); Hans Kelsen widersprach (Wesen und Wert der Demokratie, 1929).
Kernnormen / Kernquellen
- Art. 48 WRV: Notverordnungsermaechtigung des Reichspraesidenten
- Art. 25 WRV: Aufloesungsrecht des Reichspraesidenten
- Ermächtigungsgesetz 1933 (RGBl. I 1933, 141): Ende der WRV-Demokratie
- RGBl. I 1930-1932: Notverordnungssammlung (ALEX/OeNB)
- GG Art. 81: Gesetzgebungsnotstand (gemaessigte Reaktion auf Art. 48 WRV)
Akteure und Institutionen
- Bruenung (Reichskanzler 1930-1932): Erster Notverordnungskanzler
- Papen (1932): Staatsstreich gegen Preussen (20. Juli 1932)
- Schleicher (1932-1933): Letzter Kanzler vor Hitler
- Carl Schmitt (1888-1985): Legitimationstheoretiker des Ausnahmerechts
- Paul von Hindenburg (1847-1934): Reichspraesident, unterzeichnete Notverordnungen
Typische Streitfragen / Forschungsfragen
- War Bruennings Notverordnungspolitik verfassungsmaessig nach Art. 48 WRV?
- Preussenschlag 1932: Hatte Papen das Recht dazu? Staatsgerichtshofentscheidung?
- Ermächtigungsgesetz 1933: Waren die Verfassungsvoraussetzungen (2/3 Mehrheit) erfuellt?
- Legitimationstheorie Schmitt: Darf man einen Feind der Demokratie als Rechtsquelle verwenden?
- GG Art. 81 als Antwort: Loest es das Art. 48-Problem oder schafft neue Risiken?
Methodik
- Notverordnungstext: RGBl. I 1930-1932 via ALEX/OeNB
- Ermächtigungsgesetz 1933: RGBl. I 1933, 141 via ALEX/OeNB; documentArchiv.de
- Schmitt Politische Theologie (1922): historische Erstausgabe, Seite angeben
- Reichstagsprotokolle 1930-1933: reichstagsprotokolle.de