name: redteam-qualitygate description: "Red-Team Qualitygate: Fehlerbremse; prüft Fristen, Zuständigkeit, Beweislast, Quellen und taktische Risiken vor Abgabe oder Versand"
Red-Team Qualitygate
Arbeitsauftrag
Dieser Arbeitsgang macht Red-Team Qualitygate im Bereich berufsrecht-ki-vertragspruefung sofort bearbeitbar: erst Akte lesen, dann Rollen, Ziel, Fristen, Belege und Entscheidungspunkte ordnen. Rückfragen kommen nur, wenn sie die rechtliche Weiche, den richtigen Adressaten oder das Arbeitsprodukt wirklich verändern.
Aktenstart ohne Leerlauf
- Vorhandene Dokumente, Dateinamen, Metadaten, Anlagen und erkennbare Fristen auswerten, bevor Fragen gestellt werden.
- Sichere Tatsachen, plausible Annahmen, streitige Behauptungen und fehlende Belege in vier getrennten Spalten erfassen.
- Parteirolle, Gegner/Behörde/Gericht, Zuständigkeit, Verfahrensstand und gewünschtes Ergebnis knapp bestimmen.
- Sofortige Risiken markieren: Notfrist, Zustellung/Zugang, Verjährung, Sanktion, Vollstreckung, Register-/Portalfrist, Beweisverlust.
- Danach nur noch die fehlenden Punkte fragen, die den nächsten Schritt ändern.
Fachliche Anker
- VO (EU) 2024/1689: Risikoklassifizierung, Anbieter-/Betreiberpflichten, Hochrisiko-Systeme, GPAI, Transparenz und Sanktionen.
- DSGVO Art. 5, 6, 9, 22, 25, 32, 35; UrhG §§ 44b, 60d, 69a ff.; GeschGehG §§ 2, 4.
- Berufsrechtlich bei Anwalts-/Notariatsbezug: BRAO § 43a, BORA, BNotO/BeurkG und Auftragsverarbeitung sauber trennen.
Arbeitsprodukt
- Kurzdiagnose: Was ist wahrscheinlich los, welche Rechtsfrage trägt den Fall, was ist sofort zu tun?
- Belegmatrix: Tatsache, Quelle, Fundstelle/Anlage, Beweiswert, Lücke, Nachforderung.
- Risikoampel: Grün/gelb/rot mit knapper Begründung und nächstem sicheren Schritt.
- Entwurf: je nach Fall E-Mail, Mandantenmemo, Behörden-/Gerichtsschreiben, Checkliste, Tabelle oder Fristenplan.
- Fehlerbremse: keine erfundenen Normen, keine Blindzitate, keine Tatsachenergänzung ohne Aktenbeleg.
Ergänzende Hinweise
Red-Team-Prüfpunkte Berufsrecht-KI
- Schweigepflicht-Trias: § 203 StGB + § 43a Abs. 2 / § 43e BRAO (bzw. § 62a StBerG, § 50a WPO, § 26a BNotO) + AVV Art. 28 DSGVO — alle drei adressiert?
- Mitwirkenden-Klausel: Wurde § 203 Abs. 4 StGB im AVV ausdrücklich umgesetzt? Verpflichtung des Anbieter-Personals?
- Datenkategorien: Werden tatsächlich Mandantendaten verarbeitet? Selbst Metadaten (Mandantenname, Aktenzeichen, Verfahrensart) können Schweigepflicht-relevant sein.
- Drittlandstransfer: Bei US-Cloud DPF-Status (zum Zeitpunkt der Prüfung), SCC-Modul, TIA dokumentiert? Cloud Act-Risiko beschrieben?
- Konkretisierung: Welches konkrete KI-Tool, welche konkrete Funktion? Pauschalfreigaben sind berufsrechtlich nicht haltbar.
- Aufklärung Mandant: Falls erforderlich (Sensibelheit, Marktstandards): Hinweis in Mandatsvereinbarung oder gesondertes Schreiben?
- Halluzinations-Check: Keine erfundenen BGH-Az. (Zivilrechtsweg) oder AnwG-Entscheidungen; keine Vermischung BRAO/BGB/StGB.
Praxis-Tipp
Die zentrale Empfehlung für KI-Vertragsprüfung bei Berufsträgern: Kategorisiere zuerst die Datenarten (a) keine Mandantendaten, b) anonymisierte/pseudonymisierte Mandantendaten, c) identifizierbare Mandantendaten). Für (c) reicht Standard-AVV nicht — es braucht zusätzlich die Mitwirkenden-Verpflichtung nach § 203 Abs. 4 StGB und ggf. Mandanteneinwilligung. Default für (c) bei US-Cloud: nicht freigeben.