name: aktenauszug-erstellen description: "Anwalt oder Paralegal erhaelt Gerichtsakte Schriftsaetze oder PDFs und will strukturierten Aktenauszug erstellen. Sechs Bausteine: Verfahrensidentifikation Einleitungssatz Absatz-Zusammenfassung Sachverhaltschronologie Verfahrenschronologie Parteivortrag-Tabelle Beweis- und Rechtsargumente. Norme..."
Aktenauszug Erstellen — Hauptworkflow
Arbeitsweg
- Rolle, Ziel und gewünschtes Arbeitsprodukt klären: Wer handelt, welche Entscheidung steht an, welche Frist läuft und welcher Output wird gebraucht?
- Fristen und Eilrisiken zuerst markieren: StPO § 147 Akteneinsicht im Ermittlungsverfahren auf Antrag, § 385 Abs. 3 Nebenkläger, ZPO § 299 jederzeit für Parteien, Bearbeitung i.d.R. 2-4 Wochen.
- Tragende Normen verifizieren: ZPO §§ 299, 299a, StPO §§ 147, 385, 406e, VwGO § 100, SGG § 120, FamFG § 13, BORA § 19 (Akteneinsicht), Aktenordnung (AktO), AnwGH-Bescheinigungen — Fundstellen über gesetze-im-internet.de, dejure.org, openJur, BVerfG-/BGH-/EuGH-Datenbank live prüfen; keine Modellwissen-Zitate.
- Zuständige Stelle bestimmen und Adressaten richtig wählen: Mandant, Anwalt, Geschäftsstelle, Verteidiger, Nebenklägervertreter, Beigeordneter, ggf. Sachverständiger.
- Dokumente und Beweismittel sammeln und auf Lücken prüfen: Akteneinsichtsantrag, Aktenauszug (chronologisch), Aktenvermerk, Aktenspiegel, Beweismittelübersicht, Zeitachse, Vollmacht — fehlende Belege durch Akteneinsicht oder Rückfrage beim Mandanten beschaffen, Live-Check für tagesaktuelle Normänderungen und Verwaltungspraxis.
Leitidee
Wer ein Gerichtsverfahren schnell erfassen muss — sei es beim Mandatswechsel, bei der Einarbeitung eines neuen Sachbearbeiters oder bei der Vorbereitung auf eine mündliche Verhandlung — benötigt einen strukturierten Überblick. Dieser Skill nimmt die gesamte Akte entgegen und erzeugt einen vollständigen Aktenauszug mit allen sechs Bausteinen.
Triage zu Beginn — kläre vor Erstellung des Aktenauszugs
- Welche Verfahrensart liegt vor? (Zivilprozess, Arbeitsgericht, Verwaltungsgericht, Sozialrecht, Strafprozess)
- In welcher Instanz befindet sich das Verfahren? (Erstinstanz, Berufung, Revision)
- Liegen alle wesentlichen Schriftsätze vor oder nur Teilakten?
- Gibt es bereits einen Termin, dessen Vorbereitung im Vordergrund steht?
- Soll der Aktenauszug intern (anwaltlich) oder zur Übergabe an Mandant dienen?
- Was will der Mandant wirklich erreichen? (Nicht: was steht im Standardweg, sondern: welches Ergebnis ist für den Mandanten persoenlich/wirtschaftlich das beste? Manchmal ist der schnellere Vergleich besser als der formal "richtige" Weg.)
Zentrale Normen (Prozessrecht)
- §§ 128-134 ZPO — Schriftliches und mündliches Verfahren, Schriftsätze
- §§ 253-261 ZPO — Klageerhebung und Verfahrenseinleitung
- §§ 355-455 ZPO — Beweisaufnahme (Sachverstaendige, Zeugen, Augenschein, Urkunden)
- §§ 495a, 522, 540 ZPO — Vereinfachtes Verfahren, Berufungsverwerfung, Berufungsurteil
- §§ 704-945 ZPO — Zwangsvollstreckung (Abschnitt relevant für Vollstreckungstitel in Akte)
- § 91a ZPO — Kosten bei Erledigterklärung
- § 139 ZPO — Materielle Prozessleitung, richterliche Hinweispflicht
Aktuelle Rechtsprechung zum Aktenauszug und Verfahrensrecht
- Rechtsprechung: keine Entscheidung aus Modellwissen zitieren; vor Ausgabe über offizielle oder frei zugängliche Quelle mit Gericht, Entscheidungsform, Datum, Aktenzeichen und tragender Aussage verifizieren.
Voraussetzungen
- Gerichtliche Akte oder wesentliche Teile davon (PDF, Word, maschinenlesbar)
- Optional: Inhaltsverzeichnis der Akte
- Optional: Hinweis auf die Verfahrensart (Zivil, Straf, Verwaltung, Arbeit, Sozial)
Sechs Bausteine des Aktenauszugs
Baustein 1 — Verfahrensidentifikation
Gericht, Kammer/Senat, Aktenzeichen, Streitwert, Parteien mit Anwälten, Instanz, Verfahrensart.
Baustein 2 — Einleitungssatz
Ein bis zwei Sätze, die den Kern des Rechtsstreits nennen: Wer streitet mit wem worüber, welche Hauptnorm ist einschlägig.
Baustein 3 — Zusammenfassung (Absatz)
Acht bis zehn Sätze: Hintergrund, Streitstand, prozessuale Lage, anstehende Verfahrenshandlungen.
Baustein 4 — Sachverhaltschronologie
Chronologische Bullet-Liste aller wesentlichen außerprozessualen Tatsachen. Datum fettgedruckt vorangestellt.
Baustein 5 — Verfahrenschronologie
Chronologische Bullet-Liste der prozessualen Schritte. Fristen und Termine werden hervorgehoben.
Baustein 6 — Tabellen (Parteivortrag / Beweismittel / Rechtsargumente)
Drei separate Tabellen im Markdown-Format mit Spalten für Klägerseite und Beklagtenseite.
Schritt-für-Schritt-Workflow
- Akte sichten — Inhaltsverzeichnis oder Seitenstruktur erfassen; fehlende Seiten markieren
- Verfahrensart bestimmen — aktiviere passenden Modus-Skill (Zivil/ArbG/VerwG/Sozial/Straf)
- Verfahrensidentifikation extrahieren (→ Skill
verfahrensidentifikation) - Einleitungssatz formulieren (→ Skill
einleitungssatz-generator) - Zusammenfassungsabsatz schreiben (→ Skill
verfahrenszusammenfassung-absatz) - Sachverhalt chronologisch ordnen (→ Skill
sachverhaltschronologie) - Verfahrensschritte chronologisch ordnen (→ Skill
verfahrenschronologie) - Fristen hervorheben (→ Skill
fristen-und-terminkalender) — alle Notfristen mit ⚠️ - Parteivortrag gegenüberstellen (→ Skill
parteivortrag-gegenueberstellung) - Beweismittel tabellarisch erfassen (→ Skill
beweismittel-gegenueberstellung) - Rechtsargumente tabellarisch erfassen (→ Skill
rechtsargumente-gegenueberstellung) - Neutralitätsprüfung (→ Skill
neutralitaetspruefung) - Strukturprüfung (→ Skill
aktenauszug-strukturpruefung)
Entscheidungsbaum — Verfahrensart
Liegt Akte vor?
→ Ja: Verfahrensart prüfen
→ Arbeitsgericht? → Skill arbeitsgerichtsverfahren-modus aktivieren
→ Verwaltungsgericht? → Skill verwaltungsprozess-modus aktivieren
→ Strafgericht? → Skill strafprozess-modus aktivieren
→ Sozialgericht? → Skill sozialgerichtsverfahren-modus aktivieren
→ Zivilgericht (LG/AG/OLG)? → Skill zivilprozess-modus aktivieren
→ Nein: Fehlende Unterlagen beim Mandanten anfordern; Notfrist prüfen
Output-Format
Ausformulierungspflicht und Formatstandard. Das Endprodukt wird in vollständigen, ausformulierten Sätzen geliefert — keine Stichwortskelette, keine leeren Klauselrümpfe, keine reinen Aufzählungen. Klauseln stehen als ausformulierte Rechtsfolgen-Sätze; Platzhalter wie
[Name der Mandantin]werden klar markiert, der umgebende Text bleibt vollständig.Schriftbild: Wenn ein Schriftsatz, Vertrag, Memo, Beschluss, Vermerk oder sonstiges Enddokument als DOCX, PDF oder formatierter Text ausgegeben wird, ist Times New Roman 11 pt als Grundschrift zu verwenden. Überschriften bleiben in derselben Schrift und dürfen nur fett oder abgestuft sein. Bei reiner Markdown- oder Chat-Ausgabe wird dieser Formatwunsch als Exporthinweis aufgenommen.
Nummerierung: Gliederung ausschließlich dezimal (
1,1.1,1.1.1und so weiter). Keine römischen Ziffern, keine Buchstaben- oder Mischgliederung.
### Aktenauszug — [Aktenzeichen]
## Verfahrensidentifikation
...
## Einleitungssatz
...
## Zusammenfassung
...
## Sachverhaltschronologie
- **TT.MM.JJJJ** Beschreibung
- **TT.MM.JJJJ** Beschreibung
## Verfahrenschronologie
- **TT.MM.JJJJ** Beschreibung
- ⚠️ **TT.MM.JJJJ — FRIST:** Beschreibung
## Parteivortrag
| Punkt | Klägerseite | Beklagtenseite |
|---|---|---|
## Beweismittel
| Beweismittel | Klägerseite | Beklagtenseite |
|---|---|---|
## Rechtsargumente
| Aspekt | Klägerseite | Beklagtenseite |
|---|---|---|
Strategische Optionen (vor dem Template entscheiden)
Bevor das Template eins-zu-eins gefuellt wird, ist zu prüfen welche Variante zur Mandantenkonstellation passt. Das Template ist eine moegliche Form — nicht die einzige.
| Konstellation | Empfohlener Weg |
|---|---|
| Standard — strukturierter Aktenauszug für Gericht | Vollformat nach den sechs Bausteinen unten |
| Variante A — nur interne Einarbeitung noetig | Kurzform ohne Verfahrenschronologie; Bausteine 1-3 genügen |
| Variante B — Eilsache; Zeit fehlt für vollstaendigen Auszug | Einleitungssatz + Sachverhaltschronologie priorisieren; Rest nachliefern |
| Variante C — Parteivertreter hat bereits Zusammenfassung geliefert | Kritische Prüfung und Ergaenzung statt Neuerstellung |
Wenn die Mandantenkonstellation nicht ins Standardschema passt, ist das Template anzupassen oder durch ein anderes Skill abzuloesen — nicht das Mandat in das Schema zu pressen.
Output-Template Übergabevermerk (intern)
Adressat: Sachbearbeiter / aufnehmender Anwalt — Tonfall: sachlich-juristisch
ÜBERGABEVERMERK — [AKTENZEICHEN]
Bearbeiter bisher: [NAME]
Stand: [DATUM]
Verfahren: [KURZBEZEICHNUNG]
Nächste Frist: [DATUM + BEZEICHNUNG]
Nächster Termin: [DATUM + ORT]
Offene Aufgaben: [LISTE]
Besonderheiten: [z.B. Beweissicherungsantrag gestellt, SV noch nicht bestellt]
--- vor Versand klären ---
- Welches Verhandlungsziel hat der Mandant? [Bestand / Abfindung / Reputation / Schnelle Loesung]
- Welche Kompromisslinien sind absolut? [Mindestabfindung / Freistellung / Zeugnisformulierung]
- Sind Anschlusswege erwuenscht? [Mediation / Direktgespraech / Settlement vor Klageerhebung]
Qualitätsgrundsätze
- Keine Erfolgsprognose
- Neutrale Sprache ohne Wertung
- Alle Fristen und Termine hervorgehoben
- Keine KI-Terminologie im Output
Hinweis
Der Aktenauszug ersetzt nicht die eigene Aktenlektüre. Er ist ein strukturiertes Arbeits- und Kommunikationsmittel für den anwaltlichen Alltag und bedarf der Prüfung durch den verantwortlichen Rechtsanwalt.
Audit-Hinweis (27.05.2026)
Im Halluzinations-Audit 2026-05-27 wurden in diesem Skill folgende Aktenzeichen geprueft und korrigiert:
- BGH VII ZB 36/20: ersatzlos entfernt (Entscheidung nicht auffindbar auf dejure.org oder bundesgerichtshof.de; NJW-RR 2022, 1350 konnte keinem BGH VII ZB 36/20 zugeordnet werden)
Normen und Rechtsprechung
Kuratierte Normen-Bibliothek
- § 4 KSchG
- § 80 VwG
- § 86b SGG
- § 74 VwG
- § 124 VwG
- § 64 ArbGG
- § 72 ArbGG
- § 132 VwG
- § 123 VwG
- § 103 SGG
- § 151 SGG
- § 66 ArbGG
Leitentscheidungen
- BGH VII ZB 36/20
- BGH VI ZR 146/19
- BGH VI ZR 84/19
- BGH VI ZR 396/18
- BGH VII ZR 131/13